Bangkok Teil 2

Die nächsten zwei Wochen verbrachten wir wieder in Bangkok. Wir reisten in Thailand nicht weiter und ließen sogar unseren Flug ins nächste Land verstreichen. Vielleicht wundert ihr euch, wieso wir nicht mehr von Thailand gesehen haben und stattdessen in der Stadt hängen blieben. Einen Erklärungsversuch findet ihr in diesem Artikel.

Als wir unsere Weltreise geplant hatten, hatten wir uns fest vorgenommen, keine 12 Monate Dauerurlaub daraus zu machen. Nicht nur Reisen und Abenteuer sollten im Vordergrund stehen, sondern wir wollten uns auch Zeit nehmen für andere Dinge, die zuhause und im Alltag wenig Platz fanden. Endlich Sachen machen, die man schon so lange im Hinterkopf hat, Ruhe für die vielen Bücher finden, die seit Ewigkeiten im Kindle rumliegen. Oder sich Fragen stellen zu können, die man sonst immer gerne wegschiebt.

Nach fast drei Monaten waren wir von diesen Vorhaben relativ weit abgekommen. Wir waren immer noch eher im Erlebnis- und Reisemodus. Dazwischen war wenig Platz für den Ruhe-Teil des Plans. Das wurde uns aber erst so richtig bewusst, nachdem wir unser Apartment in Bangkok bezogen hatten und plötzlich keine Lust mehr empfanden, jeden Tag für Stunden durch die Stadt zu laufen. Was war los? So wirklich viel hatten wir von Bangkok doch noch gar nicht gesehen. Es gäbe doch noch eine Menge zu entdecken.

Routine – wie toll!

Unser Apartment hatte eine kleine Küche mit Mini-Wohnzimmer, einem Pool und ein Fitness-Studio. Ein paar hundert Meter davon entfernt lag ein gut sortierter Supermarkt. Die nächsten Tagen bewegten wir uns relativ genau in einem Radius zwischen diesen Punkten. Wie von alleine entwickelten wir eine Routine, die aus Sport am Vormittag, ein paar Stunden am Pool und Einkaufen bestand. Die restliche Zeit nutzte jeder von uns für Dinge, die man vor sich hergeschoben hatte. Marc bastelte an seinem Portfolio für die vielen Headhunter, die ihn seit Hong Kong mit Jobmöglichkeiten überschütteten. Ich laß ein Buch nach dem anderen, das sich mit so esoterischen Dingen, wie Selbstbestimmung und alternativen Lebenswegen beschäftigten.
Und trotz der vielen günstigen, tollen Restaurants um uns herum, kochte ich fast täglich. Das Kochen hatte mir ganz einfach gefehlt und es machte mich zufrieden, mich wieder selbst verpflegen zu können und nicht jeden Tag essen zu gehen.
Die Tage vergingen, ganz leise und leicht.

Natürlich kam uns manchmal der Gedanke, dass wir etwas verpassen könnten, wenn wir nicht jeden Tag um die Häuser ziehen. Aber als wir nach dem Sport frisch geduscht in unserem Apartment saßen, fühlte es sich einfach gut und richtig an.

Meinen Eltern zu erklären, wieso wir denn bitte keine Bilder mehr auf Instagram posten und stattdessen in unserem Hotel bleiben wollen, war gar nicht so leicht. Vor unserer Reise hätte ich das auch nicht verstanden. Wir wollten einfach keine neuen Eindrücke mehr aufnehmen, sondern uns endlich auf uns selbst konzentrieren. Zeit zu haben für sich selbst ist eben auch ein Luxus.

Ich erkannte, dass auch solche Tagen ein wichtiger Teil unserer Reise war und mindestens genauso bedeutend war, wie neue Länder und Kulturen zu erleben.

PS. Was ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte, ist die Errungenschaft meiner Ukulele. Seit Bangkok beglücke ich Marc also mit meinen Versuchen, dieses Instrument zu erlernen. Er ist sehr begeistert von meinem musikalischen Talent (oder so ähnlich).

Kommentar schreiben

Navigate