Seoul – die Stadt der Lichter

Ich liebe koreanisches Essen und nachdem wir die Folge von Anthony Bourdain parts Unknown in Seoul gesehen hatten, war mir sofort klar: das will ich sehen. Sechs Tage verbrachten wir in dieser verrückten Stadt, die bei Nacht unter tausenden Lichtern erstrahlt.

Hostels gehen auch. Irgendwie

Wir sind ja nicht unbedingt die größten Hostel-Fans, aber unser Budget bestimmt eben, dass wir nicht immer die doch etwas teureren Airbnb-Unterkünfte oder Hotels buchen können.
Daher hatte ich uns für unseren Aufenthalt in Seoul das Hostel Yakorea im Stadtteil Itaewon herausgesucht. Unser Zimmer war sehr klein. Es bestand lediglich aus einem Doppelbett, zwanzig Zentimeter Platz außen herum, einem Fernseher, einem kleinen Kühlschrank darunter und einer all-in-one Kombination aus Bad/Toilette/Dusche.

Immerhin mussten wir uns das Bad nicht mit den anderen Gästen teilen. Das Hostel hatte eine Gemeinschaftsküche, in der wir uns morgens unseren Kaffee zubereiteten. Mehr war auch nicht drin, denn die Küche war nicht besonders sauber und klebte von oben bis unten. Eindeutig ein Minuspunkt. Dafür waren die Leute im Hostel sehr nett. Sie waren alle Studenten um die 20 und gaben uns Tipps, was wir in der Stadt unternehmen sollten. Naja, für die paar Tage war es ok und Hostels sind auch irgendwie Teil des Abenteuers.

Itaewon

Das lebhafte Viertel Itaewon grenzt direkt an eine große amerikanische Militärstation an und der Einfluss der Amerikaner ist nicht zu übersehen. Die vielen Bars und Restaurants werden von den hier stationierten Soldaten gut besucht und so hat sich auch die Gastronomie daran angepasst: Mac & Cheese, amerikanische Süßigkeiten oder Burgerbuden findet man an jeder Ecke.
Natürlich ist Itaewon noch viel mehr als ein USA-orientierter Stadtteil. Wir haben es als einen sehr lebhaften und energiegeladenen Ort erlebt. Die Straßen waren abends voll mit ausgehfreudigen Menschen. Aus den zahlreichen Bars drang laute Musik und überall roch es nach gutem Essen aus den vielen Restaurants.

Wir gingen an einem Freitagabend in Itaewon aus und man muss sagen, St. Pauli ist ein Kindergeburtstag im Vergleich zu diesem Party-Mekka. Unser erster Halt war ein Koreanisches BBQ-Restaurant. Hier mussten wir eine Weile in der Schlange warten, aber der nette Kellner brachte uns ein „Warte-Bier“ aufs Haus. Drinnen ging dann alles recht flott. Wir hatten die Wahl zwischen Schweinebauch und Rippchen. Wir entschieden uns für letzteres, konnten allerdings am Nachbartisch auch den Schweinebauch neidisch beäugen. Im Handumdrehen wurden wir mit zahlreichen kleinen Schälchen mit Beilagen (Kimchi, Salatblätter, eingelegtes Gemüse, Kartoffeln) bedient und der mitten auf dem Tisch stehende Grill wurde angezündet. Im Gegensatz zum Koreanischen BBQ in Deutschland muss man sich in Seoul nicht selbst um den Grillvorgang kümmern. Die Kellner kommen in regelmäßigen Abständen vorbei, drehen das Fleisch und bestimmen auch, wann welches Stück gegessen werden darf. Wer mit seinen Stäbchen selbst versucht, Grillmeister zu spielen, bekommt was auf die Finger (ehrlich, haben wir so am Nebentisch gesehen).
Um die Rippchen zu essen ohne uns die Hände schmutzig zu machen, bekamen wir jeweils einen Einweghandschuh gereicht. Und dann durften wir auch schon anfangen. Das Fleisch war sehr gut mariniert und die spicy Rippchen hielten, was sie versprachen. Mein Gott war das scharf! Da half noch nicht mal das Nationalgetränk Soju, eine Art Reiswein, den wir zum Essen bestellt hatten.


Nach diesem leckeren Mahl liefen wir ein Stück weiter in einen etwas ruhigeren Teil von Itaewon. Wir gingen in die Bar Orgasm Frog, die wir auf den Weg zum Restaurant entdeckt hatten. Wir nahmen am Tresen Platz und mussten feststellen, dass der Barkeeper leider kein Wort Englisch sprach. Sein Freund sprang bei der Übersetzung ein und half uns auch bei der Bestellung. Ich wählte das Seoul-Mädchen-Getränk (ich glaube, Amaretto mit Zitrone und Soda oder so ähnlich) und Marc einen Whiskey. Wir waren die einzigen westlich aussehenden Menschen in der Bar und wurden daher von den Gästen interessiert gemustert. Schließlich kamen wir mit einem Mitte 20-jährigen ins Gespräch, dem wir ein paar Fragen zu Seoul und Südkorea stellten. Er erzählte uns, dass jeder Südkoreaner zwei Jahre lang in der Armee ausgebildet werde, er pro-Amerika sei, aber auch die Probleme sähe, die mit der Stationierung der Soldaten einherkämen. Unter Jugendlichen ist die Arbeitslosenrate scheinbar recht hoch, sodass er trotz Uni-Abschlusses und einigen Jahren Auslandserfahrung seit Monaten auf Jobsuche sei. Er berichtete uns, dass Japaner immer noch eher verhasst seien in Südkorea, allerdings mehr aus alteingesessenen emotionalen als aus rationalen Gründen.
Wir kommen bisher relativ selten mit Landsleuten ins Gespräch. Aber es ist immer eine Bereicherung und wir bekamen auch dieses Mal einen besseren Einblick in das Leben in Seoul.
Nach ein paar Drinks verließen wir die Bar und liefen wieder zurück in den lebhafteren Teil von Itaewon. Es war schon relativ spät, aber die Straßen in dem Viertel waren immer noch proppenvoll mit Menschen, die tranken, tanzten und aßen. Wir hatten den Eindruck, dass sich die Stimmung mit jeder Stunde weiter aufheizte anstatt sich zu beruhigen.

 

Extra spicy!Marc und ich merkten irgendwann, dass wir wohl nicht mehr zum wildesten Party-Volk gehörten und beschlossen den Heimweg anzutreten. Aber natürlich nicht ohne einen letzten Stopp für einen Mitternachtssnack (bei uns dann so ca. halb vier morgens). Wan Tans erschienen uns als eine sehr gute Wahl und wir bestellten in einem Imbiss eine Portion mit Rindfleisch und eine mit „extra spicy“ Kimchi (auf Drängen von Marc). Ich kann euch sagen, spicy heißt wirklich – fast tödlich – spicy und die Wan Tans brannten uns zwei Tage ein Loch in den Magen.
Als wir schließlich kurz nach vier den Rückzug ins Hostel antraten, spielten die Straßenmusiker immer noch voller Inbrunst, die Bars waren weiterhin total überlaufen und die Party schien kein Ende nehmen zu wollen. Ich sag ja, St. Pauli ist ein Kinderspiel dagegen und Marc und ich eindeutig zu alt um da mitzuhalten.

Gwangjang Market – endlich unser Anthony Bourdain Erlebnis

In Seoul findet man neben zahlreichen Streetfood-Ständen auch viele Märkte und Essenshallen. Einer der Größten ist der Gwangjang Markt mit über 200 Ständen, an denen man frische Lebensmittel, Kleidung, verpacktes Essen und vor allem frisch gekochte koreanische Speisen kaufen kann. Natürlich wollte ich hier unbedingt hin und so steuerten wir zusammen mit vielen anderen hungrigen Koreanern Abends den Markt an. Das Erlebnis war beeindruckend und ein wenig überfordernd gleichzeitig. Der Markt ist in verschiedene Spezialitäten-Bereiche aufgeteilt. In einem Teil werden die berühmten koreanischen Pfannkuchen (Bindaetteok), bestehend aus Bohnen, Eiern und Frühlingszwiebeln, in Fett gebraten. In einem anderen Bereich werden koreanische Spezialitäten wie Blutwurst (Soondae), Sushi-ähnliche Reisrollen (Mayak gimbap), Reisrollen in Chili-Sauce (Tteokbokki), in Brühe gekochte Fischkuchen auf Spieße (eomuk) und Schweinsfüße verkauft.

Wir ließen uns dort nieder, wo es mit Kimchi und Fleisch gefüllte Wan Tans (Kimchi Mandu), Bibimbap und weitere ähnliche Reis- und Nudelgerichte gab. Die Stände in den einzelnen Bereichen unterscheiden sich nicht voneinander, da sie alle immer die gleiche Auswahl an Gerichten bieten. Daher suchten wir uns einfach den mit der am nettesten aussehenden Verkäuferin heraus. Wir bestellten Wan Tans und Bibim Guksu (Nudeln mit Kimchi und Gemüse) und natürlich eine kleine Flasche Soju (das gehört zur ultimativen Korea-Erfahrung dazu). Das Beste war, dass vor uns der große Topf Kimchi stand, aus dem wir uns so viel nehmen konnten, wie wir wollten – herrlich.


Eigentlich waren wir nach dem Essen satt, aber die (Neu-)Gier trieb uns dazu, weiter hinten in einem anderen Delikatessenbereich die berühmte koreanische Blutwurst zu probieren. Diese wird mit Reis gemischt und gut gewürzt. Dazu gibt es noch ein paar Stücke Leber und das Ganze dippt man dann in Salz und Pfeffer. Schmeckte erstaunlich gut. Die Verkäuferinnen an den Ständen waren recht barsch und streng. Wenn man mit dem Essen fertig war, wurde erwartet, dass man den Platz sofort für den nächsten Gast frei räumte. Also nichts mit gemütlich sitzen, essen, lachen und trinken hier.


Trotzdem war das mein Anthony Bourdain Moment: mitten unter den vielen Koreanern zu sitzen, typisch Koreanisch zu essen und zu beobachten, was Seoul in diesem Moment ausmacht.

Bukchon Hanok Village

Wenn man sich ein Bild von Seoul vor einigen hundert Jahren machen möchte, dann besucht man das Bukchon Hanok Village. Als Hanok bezeichnet man alte traditionelle koreanische Häuser. In den kleinen Gassen dieses Stadtteils stehen einige hundert von diesen gut erhaltenen Häusern, die von Privatpersonen bewohnt werden.
Wir ließen uns durch die verwinkelten Straßen mit kleinen Treppen treiben und bewunderten die hübschen kleinen Häuser, die alle sehr gut als Postkartenmotive funktionieren würden.

Cheonggyechon

Cheonggyechon ist ein über 10 km langer kleiner Fluss, der sich durch Seoul zieht. Aufgrund der Industrialisierung wurde dieser in den 1970er Jahren trockengelegt und eine Straße darüber gebaut. 2005 wurde der alte Fluss wiederhergestellt und dieser ist nun ein sehr beliebter Aufenthaltsort. Da das Flussufer nicht direkt neben der Straße, sondern ein paar Meter tiefer verläuft, bekommt man von dem Trubel oberhalb wenig mit. Stattdessen kann man total entspannt diesen schönen Weg entlang flanieren, der mit Sträuchern, Steinen, Lichtern und Malereien umgeben ist. Chonggyechon war unser Lieblingsplatz in Seoul und deswegen kamen wir insgesamt auch drei Mal innerhalb der sechs Tage hier her. Überraschenderweise gab es jedes Mal neue Attraktionen zu bestaunen, die am Ufer des Flusses aufgebaut wurden.
Beim ersten Besuch liefen wir fast den kompletten Weg ab bis wir schlussendlich am Startpunkt des Flusses ankamen. Dort befand sich ein beleuchteter Wasserfall. Da man in regelmäßigen Abständen Steine über das Wasser gelegt hatte, konnten wir immer wieder die Uferseite wechseln. Marc hörte nicht auf Fotos zu schießen und wir ließen den Abend mit einem Bier am Uferrand ausklingen.


Beim zweiten Besuch hatte sich die romantische Idylle in ein lebhaftes Straßenfest verwandelt. Überall brannten Feuertöpfe, Licht- und Feuerinstallationen säumten den Weg und mitten im Fluss saß eine Cellistin. Total begeistert von den vielen Lichtern wollten wir es uns schon am Ufer bequem machen, als wir von der Straße her Trommellärm wahrnahmen. Sofort verwarfen wir den Plan und liefen hoch zur Straße, wo sich bereits eine Menschenmenge gebildet hatten. Dort sahen wir eine Truppe von Männern mit aufgemalten Totenköpfen und Widderschädeln, die eine Art Trommel-Lichter-Schrei-Show aufführten. In der Mitte stand der „Leit-Widder“ mit einem großen Kopf aus dem immer wieder Feuer sprühte. Die nordisch aussehenden Männer tanzten vor und zurück, liefen durch die Straßen, dicht gefolgt von der Menschenmenge. Manchmal kamen die Männer der Menge mit ihrem lautem Gebrüll recht nah und jagten den Leuten eine Heidenangst ein. Der Höhepunkt der Show war dann ein gigantisches Feuerwerk, das aus allen Widderköpfen gleichzeitig abgefeuert wurde. Hier findet ihr ein kurzes Video, wie das ausgesehen hat.

An unserem letzten Tag in Seoul kamen wir zum Abschluss nochmal nach Chonggyechon und sahen, dass schon wieder eine weitere Attraktion aufgebaut wurde. Über dem Ufer war ein Meer von Regenschirmen in unterschiedlichen Grüntonen gespannt.

Gangnam

Gangnam gilt als der moderne Teil von Seoul, in dem sich die Schönen und Reichen niedergelassen haben. Um in diesen Stadtteil zu kommen, wählten wir die wohl unbequemste Art aus: zu Fuß. Wir überquerten die Banpo Bridge, die Brücke mit dem längsten Springbrunnen (Rainbow Fountain) der Welt. Dieser ist nachts beleuchtet und bietet eine spektakuläre Lichtershow. Also haben wir gelesen, denn leider waren wir nur tagsüber hier und haben es selbst nicht erlebt. Der Fußgängerweg unter der Brücke verlief neben einem Radweg und einer zwei-spurigen Straße. Wir waren die einzigen Verrückten zu Fuß auf der Brücke. Fahrradfahrer mit kompletter Ausrüstung inkl. Mundschutz waren allerdings in großer Zahl zu sehen. Auf der anderen Seite des Han Flusses angekommen, machten wir einen kurzen Abstecher ins Some Sevit Gebäude und liefen dann weiter entlang des Flusses.

Unser erstes Ziel war die Einkaufsstraße Garosu-gil. Übersetzt heißt das „die mit Bäumen gesäumte Straße“. Und genau das ist sie auch: eine Allee aus Gingko-Bäumen mit vielen kleinen Boutiquen, teuren Cafés und Restaurants. Hier trafen sich die Schönen und Reichen, die Selfie-Experten und Shopaholics, voll beladen mit Einkaufstüten. Ich ließ mich von den schönen Läden faszinieren, während Marc immer genervter von den vielen Hipstern neben mir her stapfte.

Irgendwann wurde es ihm zu viel und wir brachen auf Richtung Gangnam-Station – dem Dreh- und Angelpunkt des Viertels. Zur Station hin verläuft eine breite, stark befahrene Einkaufsstraße mit allen Geschäften, die Rang und Namen haben. Hier abends entlangzulaufen war gar keine gute Idee. Menschenmassen drängelten sich durch die Straßen und wir wurden eigentlich nur weitergeschoben ohne jegliche Möglichkeit selbst zu bestimmen, wo wir eigentlich hin wollten. Spätestens jetzt wurde uns bewusst, wie groß der Unterschied zwischen Seoul und Tokio war. In Tokio waren mindestens genauso viele Menschen auf den Straßen unterwegs, aber man kam sich nie in die Quere oder wurde gar irgendwohin geschubst. Wir beschlossen recht bald, dass wir genug von Gangnam gesehen hatten und fuhren mit dem Bus zurück nach Itaewon.

Namdaeum Markt

Sehr zum Leidwesen meines Mitreisenden kann ich von Märkten nie genug bekommen, egal wie schäbig oder überlaufen sie auch sein mögen. Zu groß ist in meinem Kopf die Chance, dass man hier was Tolles sehen oder erleben kann, sich genau hier die „Locals“ treffen und man als Tourist einen Einblick in das wahre Leben einer Stadt bekommen kann. Und so schleppte ich auch dieses Mal den armen Marc zum nächsten Shopping-Erlebnis, und zwar zum Namdaeum Markt. Dieser ist für die über tausend Läden bekannt, in denen günstige Waren in rauen Mengen verkauft werden.
Habt ihr jetzt auch alle ein Bild im Kopf von Billigwaren à la 99-Cent Stores? Genau richtig. Die Straßen waren voll mit Sachen, die die Welt gar nicht oder nicht in dieser Stückzahl braucht. Socken, Taschen, Uhren, Klamotten – alles roch nach billiger Herstellung und hing zu hunderten an den Ständen.


Marc hielt es ca. 15 Minuten dort aus, während ich ihn durch die Straßen zog und versuchte, die Stimmung in Fotos einzufangen, die mich stark an den Bazar in Istanbul erinnerte. Vielleicht reichte die Zeit aber auch aus, um sich ein Bild von dem Treiben zu machen.

N Seoul Tower

Der N Seoul Tower ist ein 236,7 Meter hohe Fernsehturm, der auf dem Berg Namsan steht. Um zu dem Turm zu gelangen, stehen einem drei Transportmöglichkeiten zur Auswahl: mit der Seilbahn, mit dem Bus oder zu Fuß. Und jetzt ratet mal, welche Wahl wir getroffen haben? Genau, mal wieder in der Mittagshitze zu Fuß den Berg hoch (wieso tun wir das eigentlich immer?).

Nach dem 30-minütigem Aufstieg sahen wir, dass wir wohl die einzigen Verrückten waren, die den Weg zu Fuß unternommen hatten. Denn die vielen anderen Menschen hier waren sicher nicht mit uns durch den Wald gelaufen.
Beim Turm gibt es eine gratis Aussichtsplattform und eine etwas höher gelegene Terrasse für die man Eintritt zahlen muss. Wir entschieden uns für die Gratis-Variante, da die Aussicht auf die Stadt aufgrund von diesigem Wetter sowieso ein wenig getrübt war.

Auf dem Platz um den Turm sah man tausende Pärchen-Schlösser (Love Padlocks), die am Geländer angebracht waren. Diese Liebesbekundung kennt man ja bereits aus vielen anderen Städten und es gibt sie auch in Hamburg: Pärchen kaufen sich ein Schloss als Zeichen ihrer unendlichen Liebe, lassen vielleicht noch was eingravieren, bringen das Schloss an einer Brücke oder Ähnlichem an und schmeißen dann den Schlüssel weg. Seitdem zwei koreanische TV-Stars (Alex und Sinae – wer es genau wissen will) aus der Serie „We’ve Got Married“ ihr Schloss am N Seoul Tower festgemacht hatten, findet dieser Trend auch hier viele Anhänger.


Unser Ding ist das ja nicht so und daher wählten wir einen anderen Trend, der sich seit einiger Zeit in Seoul großer Beliebtheit freut: Churros. Dieses Süßgebäck kommt ursprünglich aus dem iberischen Raum und wir konnten es gar nicht glauben, dass es so viele Churro-Stände in Seoul und zufälligerweise auch am N Seoul Tower gab. Wir entschieden uns für Schokoladeneis mit Churros. Und ich fand, dass es eine große Liebesbekundung war diese leckere Süßigkeit mit Marc zu teilen, anstatt sie gierig alleine zu verputzen.

Lotte Department Store

In Japan hatten Marc und ich die Liebe zu großen Einkaufszentren entdeckt. Wir konnten uns stundenlang in den vielen Stockwerken voller liebevoll ausgesuchten Waren, toller Kleidung und leckerem Essen verlieren. Mit diesen Erinnerungen im Kopf besuchten wir eines der größten Einkaufshäuser in Seoul, den Lotte Department Store. Lotte ist ein großer multinationaler Mischkonzern in Korea und besitzt unter anderem auch gigantische Einkaufszentren. Eines davon befindet sich im Zentrum von Seoul. Die 1,5 Millionen Besucher, die sich täglich durch die vielen Stockwerke kämpfen, finden hier angeblich alles, was das Shopping-Herz begehrt. Zudem befindet man sich als Marken-Schnäppchen-Jäger hier im Paradies, denn Markenartikel können steuerfrei erworben werden und sind somit günstiger. Am Flughafen in Seoul lief fast jeder mit einer überdimensional großen Lotte-Einkaufstüte herum. Für uns waren die überfüllten Gänge und die vielen Luxus-Marken eher nicht das, was wir gesucht hatten. Vielleicht bleiben wir auch einfach bei Japan, wenn es ums Einkaufen geht.

Gyeongbokgung

Gyeongbokgung ist der größte Palast aus der Joseon-Dyanastie. Das ist das Herrschergeschlecht, das bis 1910 insgesamt über 500 Jahre Korea regiert hatte. Der Palast hatte als Residenz des Königs gedient und war nach Untergang des Königreiches immer wieder verändert und abgerissen worden. Erst ab 1990 begann man mit der Rekonstruktion der ursprünglichen Gebäude.
Beim Betreten des Platzes vor Gyeongbokgung war uns noch nicht bewusst, wie gigantisch groß der Palast war. Es befinden sich zahlreiche Gebäude darin: von der Empfangshalle über die Aufenthaltsräume für die Königin bis hin zu den kleineren Räumen für die Bediensteten. Vor und im Palast konnten wir viele Menschen sehen, die in traditionellen koreanischen Gewändern (hanbok) gekleidet waren. Die Frauen trugen einen weiten Unterrock und darüber einen farbigen Rock, der bis unter die Brust reichte. Obenrum hatten sie eine Bolero-ähnliche Jacke an, die dann mit einer Schleife an der Brust zugebunden war. Männer in hanbok waren ein bisschen seltener, dafür sahen diese noch ausgefallener aus.  Sie trugen nämlich zu ihrer Hose und der langen Jacke darüber einen sehr hohen Hut.


Hinter dem Palast fanden wir noch eine weitere sehenswerte Attraktion. Hier wurden Häuser aus unterschiedlichen Jahrhunderten nachgebaut und mit für die jeweilige Zeit aktuellen Einrichtungsgegenständen eingerichtet. Somit kann man während des Rundgangs die Geschichte Seouls eigenständig erleben.

Kleines Fazit

Seoul war ja meine Wahl bei der Reiseplanung und ich hatte mir die Stadt total verrückt und überwältigend vorgestellt. Zum Teil war sie das auch. Der Gwangjang Markt oder das Nachtleben in Itaewon suchen auf jeden Fall Seinesgleichen. Allerdings war ich nicht so von den Socken, wie ich es mir zuvor vorgestellt hatte. Ob es daran, dass wir vorher schon ein paar asiatische Großstädte hinter uns hatten lag, oder an etwas Anderem kann ich nicht sagen. Überrascht hat mich auf jeden Fall die dominante Militärpräsenz in der Stadt. Überall sah man amerikanische Soldaten und südkoreanische Polizeitruppen. Südkorea befindet sich im Krieg. Das war mir zuvor einfach nicht wirklich bewusst.


Die Koreaner waren wirklich sehr nett und an uns „Ausländern“ interessiert. Wir wurden oftmals in der U-Bahn oder auf der Straße angesprochen und ein wenig ausgefragt. Das Essen war natürlich auch grandios. Aber ich habe nicht alle Verrücktheiten, wie zum Beispiel lebendigen Baby-Oktopus ausprobiert.

4 Kommentare

  1. Klingt spannend Ihr Beiden. Märkte zu besuchen finde ich auch immer interessant. Ich mache mir nach den ganzen Berichten nur langsam Sorgen, dass Ihr dick und rund wieder zurück kommt…hihi… Süße Grüße aus dem weihnachtlichen Hamburg. Doro und Alex

    • Hi Doro und Alex,
      die Sorge teilen wir mit euch! Ein neues Land kennenzulernen bedeutet für uns allerdings besonders das Essen kennenzulernen. Glücklicherweise sind die Portionen hier in Asien um einiges kleines als in Europa oder Amerika. Wir wollen ja nicht als Michelin-Männchen zuhause ankommen.
      Schöne Adventszeit nach Hamburg!

  2. Esst ruhig so weiter, ihr beiden! Das ist mit das schönste und wichtigste beim Reisen 🙂 Vor allem, wenn es romantische Churros-Schokoeis-Liebesbekundungen sind! Und selbst als Michelin-Männchen freuen wir uns wieder auf euch!

    • Ach Andi, so schön, dass du uns auch als Michelin-Männchen zurück nimmst *seufz*.

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