Hongkong

Hongkong – was für eine wunderbare, turbulente Stadt. Es hatte nicht lange gedauert bis wir verliebt waren in diese unvergleichbare Mischung aus Metropole, Dschungel, Wasser und der Verbindung zwischen asiatischer und westlicher Welt.


Insgesamt verbrachten wir 10 Tage in Hongkong, unterbrochen von einem kurzen Abstecher nach Macau. Unser Aufenthalt wurde noch getoppt von einem Besuch aus der Heimat von Karin und Daniel.

Der erste Eindruck

Marc hatte uns für die ersten Tage ein Hotel im Stadtteil Mid-Level gebucht. Vom Flughafen fuhren wir mit der U-Bahn bis in die Stadt. Google Maps zeigte uns, dass es von der Haltestelle nur knapp einen Kilometer bis zur Unterkunft war. „Das gehen wir zu Fuß, ist ja gar nicht so weit“beschlossen wir. Eine recht blauäugige Entscheidung. Die Entfernung wurde zwar korrekt angezeigt, aber die wahnsinnige Steigung auf dieser kurzen Strecke war in der App nicht zu erkennen. Die „paar“ hundert Meter wurden somit zu einer sportlichen Herausforderung im tropischen Klima (32° Celsius + gigantisch hohe Luftfeuchtigkeit).
Die Belohnung im Hotel war dafür umso großartiger. Nach unseren Tagen in Seoul in einer winzigen Unterkunft, kam uns das Apartment wie ein Palast vor. Uns standen gleich zwei ganze Räume zur Verfügung, ein Bad in dem man sich tatsächlich umdrehen konnte und eine Aussicht auf die Skyline, wie aus dem Bilderbuch. Ich kriegte mich gar nicht ein vor Freude und ignorierte einfach die Tatsache, dass wir die nächsten Tage über unserem Budget leben würden.


Nach unserem Check-in liefen wir den Kilometer wieder nach Downtown hinunter um einen ersten Eindruck von der Stadt zu bekommen. Es ging ganz schön wild zu. Eine Kakophonie aus Autohupen, „Ding-Ding“-Geräuschen von den zweistöckigen Straßenbahnen und das Tackern der Fußgängerampeln umgab uns. Geschäftsmänner und -frauen in schicken Outfits und Handys am Ohr wichen schwitzenden Lieferanten aus, die mit nacktem Oberkörper Kisten Ladegut auf ihrem Rücken die Treppen von Supermärkten hoch und hinunter schleppten.

Überall fand man die bekannten asiatischen Straßenstände, die Gemüse, Obst, Fleisch, Kleidung, Taschen und vieles mehr an den Mann bringen wollten. All das wurde mit einer sehr hohen Luftfeuchtigkeit und tropischen Temperaturen begleitet.

Ein bisschen erinnerte mich die Stadt an New York mit ihrer Hektik und dem Trubel. Hongkong war durch den asiatischen Einschlag allerdings ein ganzes Stück exotischer.

Wir waren auf jeden Fall sofort begeistert und die Tage verflogen viel zu schnell. Ich glaube nicht, dass es einem jemals langweilig werden kann in Hongkong und unser Aufenthalt war gefüllt mit tollen Eindrücken und Erlebnissen, von den ich euch hier ein paar Highlights nennen möchte.

The Peak

Ich hatte schon so viele atemberaubende Bilder vom Peak und dessen großartiger Aussicht auf die Stadt gesehen. Daher war das auch der erste Punkt auf unserem Hongkong-Plan. Der Peak ist ein 550 Meter hoher Berg, den man entweder mit der Tram, dem Bus oder zu Fuß besteigen kann. Wir wählten natürlich die letzte Option, was sich als wirklich gute Wahl rausstelle. So konnten wir nämlich während des gesamten Weges immer wieder die schönen Ausblicke auf die Stadt genießen und gleichzeitig die vielen Villen bewundern. Man fragt sich ganz automatisch, wie es wohl sein muss, hier oben wohnen zu können. Auf jeden Fall teuer.


An der Spitze angekommen waren wir ganz schön aus der Puste, aber das Panorama entlohnte uns für die Anstrengung. Es ist sehr schwer zu beschreiben, was man empfindet, wenn man auf 500 Metern steht und auf die Hochhäuser, das Wasser und die Natur blickt. Vielleicht hilft ja das Bild.

Der Hafen und die Beer Bay

Bereits an Tag 2 liefen wir zum Hafen, um mit der Fähre nach Kowloon überzusetzen. Die Schifffahrt ist eindeutig einer der günstigsten und tollsten Aktivitäten in der Stadt. Es dauert nur ein paar Minuten um zur anderen Seite zu gelangen, aber diese kurze Strecke hat es in sich. Der Ausblick auf die Skyline ist einfach wunderbar. Ein Ticket kostet lediglich 2,50 HKD, also ca. 0,31 EUR.
Der Pier war eine schöne Gegend um ein wenig abzuhängen. Unser Lieblingsplatz war auf den Stufen vor einem kleinen Bier-Stand (Beer Bay). Es war großartig, sich von dort aus die Lichter der Stadt anzusehen, während man ein kaltes Bier in der Hand hielt und ein Schälchen Hummus und Oliven als Aperitif bereitstanden. Was will man mehr?

Kowloon hat uns fertiggemacht

Die Insel Kowloon ist im Gegensatz zur Hongkong Island stärker asiatisch geprägt. Mit seiner hohen Einwohnerdichte ist der Trubel hier noch intensiver, als auf der anderen Seite des Wassers. Zwischen den vielen asiatischen Restaurants und Marktständen drängen sich die Menschen und man wird teilweise einfach weitergeschoben. Gepaart mit der glühenden Hitze machte uns unser erster Ausflug nach Kowloon ein bisschen Probleme mit unserem Kreislauf. Daher versuchten wir uns zunächst im Kowloon Park und dann in einem Starbucks abzukühlen. Als das alles nicht so wirklich half, traten wir recht bald den Rückzug an.
So ist es nun mal, wenn man sich verliebt. Manchmal bekommt man eben auch einen Korb und das war eindeutig ein Schlag ins Gesicht von unserer neuen Lieblingsstadt.
Ein paar Tage später und ein paar Grad kühler starteten wir noch einen Anlauf und da war es eindeutig angenehmer. Wir besuchten den Nachtmarkt (zur Freude von Marc) und aßen uns durch leckere Street-Food-Stände.

Wandern

Wenn man gerne wandert und die Großstadt liebt, dann bietet Hongkong einem alles, was man braucht. Die Auswahl an Wanderwegen ist enorm groß. Marc und ich hatten uns zwei Wege rausgesucht, die beide atemberaubender und schweißtreibender nicht hätten sein konnten.

Lantau Trail

Der Lantau Island Trail führt zum berühmten Big Buddha hoch, der sich an der Spitze der Nakkerd Hills befindet. Der gesamte Wanderweg ist über 70 Kilometer lang.

Unser Abschnitt begann in Pak Kung Au, eine Station in Hongkong, die wir mit Bus und Bahn erreichten. Von dort aus starteten wir einen wirklich anstrengenden Weg über so einige Täler und Berge und nicht enden wollenden Stufen, bis wir endlich die berühmte Buddha-Statue erreichten. Meine Höhenangst wurde bei dem Auf und Ab immer wieder auf die Probe gestellt. Die wunderbaren Panorama-Ausblicke waren es aber auf jeden Fall wert, mit zittrigen Knien den nächsten Aufstieg zu erklimmen.

Als wir nach ca. 2 Stunden endlich beim großen Buddha ankamen, waren wir ziemlich fertig und gleichzeitig überglücklich. Der Big Buddha (Tian Tan Buddha) mit einer Höhe von 34 Metern ist das größte buddhistische Monument in Hongkong. Man muss 268 Stufen hochgehen (als ob wir zuvor nicht schon genug Stufen nehmen mussten) um zur Statue zu gelangen, die auf einem Lotusthron sitzt. 8 weitere Bronzestatuen umgeben Buddha. Sie stellen normale Menschen dar, die Opfergaben hochhalten.


Den Weg zurück nahmen wir dann doch den weniger anstrengenden Weg mit der Seilbahn.

Dragon’s Back Trail

Ein paar Tage später, nachdem wir unseren Muskelkater ein wenig auskuriert hatten, waren wir bereit für den nächsten Ausflug. Der Dragon’s Back Trail ist Teil des 300 km langen Hongkong Trails und läuft entlang der Küste.

Wir suchten uns den Abschnitt raus, der bei Shek-O startet (übrigens auch ein sehr schöner Strand), wo sich eine Bushaltestelle befinden sollte. Da wir beide ein bisschen unsicher war, wo genau sich diese befinden sollte, stiegen wir leider zu früh aus. Nach einer kurzen Diskussion, wer denn jetzt an diesem Schlamassel die Schuld trägt (eindeutig Marc), sahen wir, dass wir uns direkt an einem anderen Wanderweg befanden, der den Dragon’s Back Trail kreuzt. Also alles eigentlich gar nicht so schlimm. Der Dragon’s Back Trail war eindeutig beliebter als der Lantau Island Hike und es waren so einige Leute mit uns unterwegs. Die Aussicht vom Berg auf die Küste wirkte wie von einer Postkarte und wir konnten unser Glück gar nicht richtig fassen. Am Ende der Wanderung kamen wir an dem wunderschönen Surfer-Strand Big Wave Bay an, wo wir noch ein bisschen entspannten, bevor es mit dem Bus zurück in die Stadt ging.

Pferderennen

Mittwochabend ist Pferderennen-Abend in Hongkong. Ich hatte in Hamburg noch nie den Drang empfunden, ein Rennen zu sehen, aber irgendwie wollte ich das in Hongkong unbedingt erleben. Ein bisschen Überzeugungsarbeit kostete es mich schon, Marc, Daniel und Karin dazu zu bewegen mit mir dahin zu kommen.
Die Rennbahn kann man ganz bequem mit der Tram erreichen und man darf sogar seine eigenen Getränke mitbringen (was wir natürlich getan haben). Im unteren Bereich befanden sich einige Essens- und Getränkestände um die sich viele Menschen drängten. Weiter oben saßen die Wettprofis. Man erkannte sie an dem großen Stapel Wettscheine vor sich und den ernsten, konzentrierten Mienen. Erst als die Pferde an den Start kamen, erwachten sie zum Leben und feuerten ihren Gaul an, was das Zeug hielt.


Wir sahen uns die letzten vier Rennen an und setzten auch ein bisschen Geld. Jeder gewann und verlor Mal – außer Marc, der anscheinend gar kein Glück hatte. Daniel trug den größten Gewinn nach Hause und man merkte ihm eindeutig an, wie stolz er darauf war.

Viktoriapark

Der nach Königin Viktoria benannte Park besitzt eine Gesamtfläche von über 6 Hektar. Es befinden sich darin Tennisplätze, eine Joggingroute und sogar ein Wasserbecken, in dem Leute ihre ferngesteuerten Boote rumflitzen lassen.

Sonntags sieht man im Park sehr viele indonesische und philippinischen Frauen, die als Haushälterinnen in Hongkong arbeiten und an diesem Tag frei haben. Sie sitzen in großen Gruppen zusammen, teilen Essen, tauschen Frisur- und Make-up-Tipps aus oder nehmen an Tai-Chi- und Kampfkursen teil.


Wir entdeckten auf einer der großen Wiesen eine etwas ungewöhnliche Tanzvorführung. Eine Gruppe von wild verkleideten und geschminkten Menschen mit Glöckchen an den Füßen schwirrten in einer Art Kampftanz um Drachen- und Pferdepuppen, begleitet von rhythmischer Musik und Gesang. Das Ganze wirkte ein wenig wie ein Trance-Tanz und teilweise wurden die Teilnehmer richtig wild, bissen und schlugen um sich und mussten wieder beruhigt werden.

 

 

 

Stanley und Repulse Bay

Wenn man ein wenig Ruhe von dem Trubel der Stadt möchte, bietet sich ein Ausflug nach Stanley an. Eigentlich ist es ist für seinen schönen Markt bekannt, aber der hatte hatte uns jetzt nicht wirklich vom Hocker gerissen. Dafür war die Stimmung in dem kleinen Ort sehr angenehm. Total entspannt liefen wir am Strand entlang und schauten uns die paar Sehenswürdigkeiten an, die Stanley so bietet:  das Murray House, der Blake Pier und die Repulse Bay.

Essen

Mittlerweile müsstet ihr es ja schon wissen: wir essen wirklich gerne. Daher sind „kulinarische Erlebnisse“ auch ein wichtiger Punkt während unserer Reise. Über Hongkong kann man auf jeden Fall sagen, dass man tolles Essen aus der ganzen Welt finden kann. Hier ein paar Restaurants, die uns ganz besonders in Erinnerung geblieben sind.

Din Tai Fung

Das taiwanesische Restaurant mit Filialen in vielen Teilen der Welt (Japan, Australien, Dubai, etc.) ist für seine köstlichen Dim Sum bekannt. Die Filiale in Hongkong ist sogar mit einem Michelin Star ausgezeichnet worden. Und das unserer Meinung nach zurecht. Nicht nur die gedämpften Knödel waren mega lecker, sondern auch die Wontons in Sauce, die Nudeln, die scharfen Gurken, der Wasserspinat und und und. Es war so lecker, dass wir gleich zweimal hier unser Geld ließen.

Joy Hing Roasted Meat

Dieses kleine Restaurant steht unserer Meinung nach für eine authentische Hongkong-Erfahrung. Im Grunde genommen gibt es hier nur eine Handvoll Gerichte und BBQ Pork ist wohl der signature dish. Da das Restaurant wie gesagt sehr winzig ist, wird man schnell rein und wieder rausgeschoben, denn der nächste Gast wartet bereits in der Schlange. 30 HKD (2,50 EUR) kostet die Portion BBQ Schwein mit Reis, die wirklich lecker war.

Samsen

Nur eine Straße von unserem Apartment entfernt befand sich das erst kürzlich eröffnete thailändische Restaurant Samsen. Das tolle Essen gab uns einen kleinen Vorgeschmack auf unsere Thailand-Reise. Marcs Nachspeise – Coconut Dumplings – war auf jeden Fall das Highlight. Wir hatten hier unser Abschiedsessen und es war ein wunderbarer Abschluss unserer tollen Reise in Hongkong.

Natürlich fand der tatsächliche Abschluss nach dem Essen an der Beer Bay statt, wo Marc endlich Foursquare Mayor wurde. Woohoo!

 

1 Kommentar

  1. Klingt wirklich alles toll. Mir läuft oft das Wasser im Mund zusammen., yum…yum… Tja Hongkong ist schon besonders. Mir scheint, Ihr habt Glück gehabt und nicht die typische Smogwolke über dem Hafen liegen gehabt? Dann sieht man vom Peak nämlich wenig 🙁 Und was ich nicht verstehe…. Warum seid Ihr immer zu Fuß nach Mid Level gelaufen? Man kann doch fast mit den Rolltreppen hochfahren. 😉 Ich habe da auch mal 2 Wochen gewohnt und fand das sehr interessant., Fühlt Euch fest gedrückt und Carpe diem! Doro und. Alex

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