Hello Vietnam – Xin chào, Hà Nôi

Unsere Reiseroute in Vietnam verlief von Norden nach Süden und wir starteten in Hanoi. Hier erlebten wir zum ersten Mal einen Kulturschock während wir versuchten in der Altstadt zwischen hunderten hupenden Motorrollern, hartnäckigen Straßenhändlern und verwinkelten Straßen zu überleben.

Nach einem 2-stündigen Flug kamen wir recht entspannt von unseren Tagen in Hongkong in Vietnam an. Als Deutscher muss man für einen zweiwöchigen Aufenthalt kein Visum für das Land beantragen. Da wir allerdings länger bleiben wollten, hatte ich vorab online eine Einreisegenehmigung erstanden. Diese zeigten wir am Flughafen vor, bezahlen je 25 Dollar und bekamen nach kurzer Wartezeit unser Visum für 30 Tage ausgestellt.

Der Weg ins Hotel – erste Herausforderung

Mit dem Minibus ging es im Anschluss für je 40.000 Dong (ca. 2 EUR) in die Stadt. Minibusse funktionieren folgendermaßen in Vietnam: man zahlt sein Ticket an Bord und sagt dem Fahrer, wo man hinmöchte. Der fährt dann von einem Ziel zum Nächsten und lädt Leute und auch mal die ein oder andere Kiste Transportgut ab. Unser Minibus ließ uns ca. 900 Meter von unserem Hotel im alten Viertel von Hanoi aussteigen. Das fanden wir in dem Moment noch vollkommen in Ordnung, hatten wir ja bereits weitaus längere Strecken mit unserem Gepäck hinter uns gebracht. Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass wir schrecklich ahnungslose Touristen waren. Fußgänger haben nämlich keinerlei Rechte in Vietnam. Gehwege existieren nicht oder werden von zahlreichen kleinen Geschäften besetzt. Um uns herum floss daher ein undurchdringbarer Strom aus hupenden Motorrollern, Straßenverkäufern, Autos und Bussen. Wir hangelten uns am Straßenrand entlang und versuchten nicht panisch zu werden. Die 900 Meter kamen uns wie 5 Kilometer vor und als wir schließlich im Hotel ankamen, waren wir komplett fertig.

Nach dem Check-in begann es schon langsam zu dämmern. Da wir am Flughafen leider keine SIM-Karte von Vinaphone, dem vorab recherchierten SIM-Karten-Anbieter, bekommen hatten, mussten wir uns nochmal auf die Suche nach einer Verkaufsstelle begeben. Wir liefen von Geschäft zu Geschäft aber unsere Frage nach einer SIM-Karte wurde jedes Mal nur mit einem Kopfschütteln quittiert. Als wir schon fast aufgeben wollten, wurden wir schließlich von einem Verkäufer an einen Straßenhändler verwiesen. Der händigte uns endlich die Karte aus, die wir ihm mit etwas Skepsis abkauften. Wie konnte es sein, dass in den großen Fachgeschäften keine Karten angeboten wurden, sondern es diese nur an einem kleinen Straßenstand zu erwerben gab? Das passte einfach nicht in unsere westliche Denkweise.

Mittlerweile war es schon komplett dunkel und da es Sonntag war, waren einige Straßen um den Hoan-Kiem-See für Motorroller gesperrt. Es tat gut, dem Trubel ein wenig entgehen zu können. Wir schafften es, uns irgendwo zwei Banh Mi Sandwiches und Bier zu besorgen und suchten uns ein Platz am Wasser. Da saßen wir also und beobachteten das Treiben um uns herum. Menschenmassen drängelten sich um Stände und kleine Restaurants und in der Ferne hörte man Motorroller durch die Straßen knattern und hupen. Die Eindrücke prasselten einfach auf uns ein, wir konnten uns nicht wehren aber auch nicht wirklich etwas davon aufnehmen. Wir waren schlichtweg überfordert von dem, was um uns herum passierte. So fühlt sich dann wohl ein Kulturschock an, dachte ich mir. Schließlich gaben wir auf und kehrten in unser Hotel zurück. Wir setzten uns auf den Balkon, von dem aus wir auf eine belebte Straße sehen konnten. Dort verbrachten wir den Rest des Abends damit die Motorroller zu beobachten. Von oben wirkte der Verkehr wie eine merkwürdige Choreographie. Anscheinend gab es keine Verkehrsregeln. Jeder fuhr so wie es ihm beliebte, auch mal auf der falschen Fahrbahn, kam von der Seite rein geschossen, mal schneller, mal langsamer, vier oder fünf Roller nebeneinander. Aber wie durch Zauberhand floss es einfach so dahin. Und wie viele unterschiedliche Menschen da auf den Rollern saßen! Einzelpersonen, verliebte Pärchen, die sich fest umarmten, schick angezogene Frauen oder ganze vierköpfige Familien mit Kind und Kegel. Zudem wurden die unvorstellbarsten Dinge auf den Zweirädern transportiert. Wir sahen Menschen kistenweise Bierflaschen, Baumaschinen, Stühle oder Kühlschränke durch die Straßen befördern. Das Leben schien sich komplett auf zwei Rädern abzuspielen.

Stadtbesichtigung

Den nächsten Vormittag verbrachten wir im Hotel. Marc versuchte das Internet zum Laufen zu bringen, was sich als nicht so einfach herausstellte. Ich recherchierte währenddessen, wie genau unsere Route in den nächsten Tagen aussehen sollte und welche Verkehrsmittel wir nutzen konnten. Der Hunger trieb uns schließlich gegen 13 Uhr raus in das Getümmel. Als ersten Gang gab es nochmal Banh Mi an einem Straßenstand ums Eck, wo es viel besser schmeckte als am Vortag. Für den zweiten Gang suchten wir uns Banh Cuon aus. Das ist eine Art Pfannkuchen aus Reismehl, gefüllt mit Schwein und Pilzen, garniert mit Röstzwiebeln und Koriander. Die Rollen dippt man in Fischsauce mit Chillies. Sehr lecker!


Den restlichen Tag schauten wir uns noch ein paar Sehenswürdigkeiten in Hanoi an: den Regierungspalast, das Ho-Chi-Minh Mausoleum von außen, da es leider geschlossen war, und den Literaturtempel.

Bis zum Abend hatte ich das Gefühl, das mit dem Verkehr langsam raus zu haben. Ich hatte die Einheimischen beobachtet, wie sie sich verhielten und versuchte sie nachzuahmen. Der Trick war, ganz langsam und stetig über die Straße zu gehen und viel Vertrauen mitzubringen. Die Roller wichen einem dann schon irgendwie aus. Abrupte Bewegungen musste man unbedingt vermeiden, denn das verwirrte die Rollerfahrer und es kam zu einer Störung des Verkehrsballetts.


Für das Abendessen suchten wir uns das Restaurant Quan An Ngon heraus. Hier wurde unterschiedliches Streetfood in Restaurant-Ambiente angeboten. Daher war die Speisekarte entsprechend umfangreich und wir brauchten eine Weile, bis wir uns für folgende Auswahl entschieden hatten: Mangosalat mit Fleisch und Shrimps, Reis mit gegrilltem Fleisch und Sommerrollen, die man mit Nudeln, Fleisch und Kräutern füllte.

Abends saßen wir wieder auf unserem Balkon und tauschten Gedanken zu unseren Eindrücken von Vietnam aus. Marc echauffierte sich darüber, dass keine richtigen öffentlichen Verkehrsmittel und U-Bahnen existierten und daher jede Einzelperson mit seinem Roller die Straßen vollstopfte. Ich hingegen war noch total überrascht und auch ein wenig begeistert davon, wie dieser Verkehr funktionierte ohne ununterbrochen Unfälle zu verursachen. Wir waren uns einig, dass Vietnam bis jetzt das herausforderndste Land unserer Reise war und wir Schwierigkeiten hatten uns dem Rhythmus anzupassen.

Entspannung in Hanoi

Für den nächsten Tag entschieden wir uns für eine ruhigere Unternehmung: wir suchten eines der vielen Spas in unserer Nachbarschaft auf und bekamen auch prompt einen Termin für den frühen Nachmittag zugewiesen. DIe Wartezeit verbrachten wir damit ein bisschen durch die Straßen zu flanieren (ganz langsam und stetig natürlich) und uns ein Restaurant für das Mittagessen rauszusuchen.

Gutes Essen in Hanoi zu finden ist sehr leicht. An jeder Ecke gibt es zahlreiche kleine Lokale, die alle gigantisch leckere Gerichte servieren. Zu Mittag gab es für uns eine Auswahl an vietnamesischen Speisen: Schweinefleisch, Hähnchen in Sauce, Wasserspinat (Morning Glory genannt) und Tomaten mit Hackfleisch. Wir merkten erst als es uns an den Tisch gebracht wurde, dass wir vielleicht etwas zu gierig gewesen waren. Wir zahlten nur 12 EUR für eine Ration von der eine ganze Familie hätte satt werden können und rollten mit dickem Bauch zurück ins Spa.

Dort entschieden wir uns jeweils für eine Körper- und Fußmassage inkl. Anti-Hornhaut-Behandlung (nach so vielen Tagen zu Fuß unterwegs auch dringend notwendig) und ich wählte noch zusätzlich eine Gesichtsmaske. Für die Massagen und die Gesichtsbehandlung wurden wir jeweils in den Männer- bzw. Frauenbereich geführt, den Fußteil hatten wir dann wieder gemeinsam in einem Raum. In Deutschland hätte diese 2,5 Stunden Prozedur sicherlich ein Vermögen gekostet, aber hier zahlten wir zusammen gerade mal 100 EUR.

Ein wenig Normalität im Chaos

Eigentlich hätten wir am nächsten Tag schon weiter zur Halong Bucht fahren sollen, da aber ein Sturm für den Tag vorhergesagt war, wurde unsere Fähre um einen Tag verschoben. Das gab uns Zeit, endlich einen Coworking-Space aufzusuchen. Marc wollte das ja schon in Osaka machen, aber da hatte es zeitlich nicht so richtig gepasst. Der Toong Coworking-Space lag nur ca. 15 Minuten zu Fuß von unserem Hotel entfernt. Wir kauften uns eine Tageskarte und nahmen an einem der Tische Platz. Der Raum war sehr hübsch eingerichtet und es herrschte eine angenehme Arbeitsatmosphäre.

Eine kleine Cafébar sorgte für die notwendigsten Lebensmitteln und guten vietnamesischen Kaffee. Marc begann einen Finanz-Tracker zu programmieren. Ich kümmerte mich erstmal um meine Post- und Bankangelegenheiten und recherchierte im Anschluss die Reiseplanung für Vietnam weiter. Mittags gönnten wir uns ganze 1,5 Stunden Pause und probierten das Gericht Bún Bò. Das sind Nudeln in ein wenig Brühe mit dünn geschnittenem Fleisch, Kräutern, Sojasprossen und gerösteten Zwiebeln. So lecker!


Es tat gut in dem ruhigen Büro zu sitzen und mal wieder ganz normal zu „arbeiten“. Das hatten wir schon lange nicht mehr gehabt. Bis zum Ladenschluss um 19 Uhr verging die Zeit daher wie im Fluge. Auf dem Weg ins Hotel machten wir noch kurz in einer Bar vor der berühmten Kathedrale Halt und ließen den Tag zufrieden mit einem Bier ausklingen.

 

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