Phu Quoc [fu: uõk]

Zum Abschluss unserer Vietnamreise verbrachten wir ein paar entspannte Tage auf der Insel Phu Quoc. Aber erst mal mussten wir dort hinkommen, was gar nicht so einfach war.

Noch ein bisschen Aufregung gefällig?

Als wir Can Tho am frühen Morgen verließen standen wir vor einem kleinen Problem. Wir hatten zwar Busticket zum Hafen in Ha Tien, aber weder online noch telefonisch konnten wir Plätze für die Fähre nach Phu Quoc reservieren. Daher mussten wir darauf vertrauen, vor Ort noch ein Ticket zu bekommen. Der Bus fuhr uns merkwürdigerweise nicht direkt bis zum Hafen, sondern hielt irgendwo in der Stadt. Es dauerte natürlich nicht lange, bis sich eine Vielzahl an Taxifahrern um uns scharrten, die uns alle zum Schiff bringen wollten. Marc ließ sich aber nicht beirren und fand heraus, dass es nur ein paar Hundert Meter zu Fuß dorthin waren.
Am Hafen fragten wir als erstes beim Schalter nach Tickets. Aber dort wurde uns gesagt, dass keine Tickets verkauft wurden. Stattdessen standen viele Männer um uns herum, die uns alle Karten andrehen wollten. Ich fragte den Mitarbeiter hinter dem Schalter, ob ich von diesen Männern die Karten kaufen sollte und er nickte nur kurz. Na gut, dachte ich mir. Die müssen es ja schließlich wissen. Zögerlich gab ich einem der Männer unsere Reisepässe, als er danach verlangte. Er schnappte sich beide und verschwand damit zur Tür hinaus. Mir rutschte das Herz in die Hose! Wo war der denn jetzt mit unseren Pässen hin? Wieder reagierte Marc sofort und flitzte dem Kerl hinterher. Ich blieb ratlos neben unseren Taschen stehen. Ein paar Minuten später kam er wieder zurück – unsere Pässe in der Hand. Puh! Marc meinte, dass der Mann gar nicht mit den Pässen abhauen wollte, sondern, dass der Verkäufer sie anscheinend für die Tickets brauche. Warum er das unbedingt vor der Tür machen musste, war uns allerdings schleierhaft. In der Zwischenzeit hatte ich von einem deutschen Paar erfahren, dass sich das eigentliche Ticketbüro gar nicht hier am Hafen, sondern ein paar Straßen weiter befand. Da uns die Erfahrung mit dem Verkäufer ganz schön erschreckt hatte, beschlossen wir, doch lieber zu dem Büro zu laufen und die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Der Verkäufer ließ allerdings immer noch nicht locker. Er fuhr die ganze Strecke auf seinem Roller neben uns her, nannte uns immer wieder den gleichen Preis für ein Ticket und bestand darauf, dass wir die doch bei ihm kaufen sollten und nicht am Ticketschalter.
Im Ticketbüro drängelte er sich vor uns und erzählte der Frau am Schalter irgendetwas auf Vietnamesisch. Wir versuchten, uns davon nicht beirren zu lassen. Nach einigem Hin und Her, verkaufte sie uns dann doch zwei Karten. Und jetzt kommt das Merkwürdige: der Preis war exakt der gleiche, wie der des privaten Verkäufers! Bis heute verstehen wir nicht, wie die Leute damit ihr Geld verdienen und wie das Verhältnis zwischen dem offiziellen Ticketbüro und diesen Männern am Hafen ist.
War uns dann auch egal, denn wir waren heilfroh sowohl unsere Pässe als auch Tickets nach Phu Quoc in den Händen zu halten.

Freedomland

Auf Empfehlung eines Freundes hatten wir uns ein Zimmer im Freedomland Resort gebucht. Das Hotel wirbt damit, ganz anders zu sein, als die vielen Ressorts auf der Insel. Es liegt versteckt im Dschungel und soll eine Einheit mit der Natur darstellen. Daher sind auch alle Bungalows aus Holz und natürlichen Baustoffen hergestellt. Anstelle von Klimaanlagen gibt es Ventilatoren und Moskitonetze. Internet kann nur in den Gemeinschaftsräumen genutzt werden. Und wer Angst vor Spinnen, Geckos oder weiteren Insekten hat, sollte laut Hotelmanagement seine Wahl lieber überdenken.
Das Abendessen wird mit den auf dem Markt verfügbaren Zutaten zubereitet.  A la Card Speisen gibt es nur Morgens und Mittags. Gegessen wird gemeinsam an einem großen Tisch, um den Austausch unter den Gästen zu erleichtern.
Wir hatten eine tolle Hängematte auf unserem Balkon, was für mich eines der Highlights der Unterkunft war (ich bin ja sehr genügsam). Wenn man sich gründlich mit Moskitospray einsprühte, konnte man es dort stundenlang aushalten.
Nur Nachts die Toilette aufzusuchen, die sich im Freien befand, war ein wenig ungemütlich. Man wusste ja nie, welchem Tier man dieses Mal begegnen würde. Meistens glotzten einem Frösche oder Geckos an während man sein Geschäft verrichtete. Hier übrigens das Geräusch eines Geckos in unserem Zimmer:

Süßes Inselleben

Man kann es nicht anders sagen: wir waren sehr faul während unserer Tage auf der Insel. Wir hingen einfach ein wenig auf dem Zimmer ab, aßen gut, tranken gut und bewegten uns wenig. Marc war der Aktivere von uns beiden. Zwei Mal wurde er als Gastspieler von unserem Chefkoch zum Fußball mitgenommen. Das Resultat war eine angeknackste Rippe und ein blauer Zeh.
Die Gäste im Resort waren alle sehr nett und man kam tatsächlich schnell ins Gespräch. Das lag aber vielleicht auch daran, dass der erste Kennenlerndialog meist identisch ablief und immer die gleichen Fragen gestellt wurden:
Wo kommt ihr her? – Und wo wart ihr überall in Vietnam? – Was hat euch am Besten gefallen? – Welches Tier hattet ihr schon in eurem Zimmer?

Angel-, Schnorchel und Inselausflug

Am dritten Tag unseres Aufenthalts erzählte uns unser Koch, dass er einen Bootsausflug geplant hätte und fragte uns, ob wir mitkommen wollen. Wieso nicht? War ja nicht so, als hätten wir sonst große Pläne gehabt.

Am nächsten Morgen ging’s um 9 Uhr los und nach einem sehr langweiligen Abstecher an einer Perlenfarm kamen wir am Hafen an, wo wir in unser kleines Boot wechselten. Über das Wasser zu heizen und die vielen Fischerboote um uns herum zu beobachten, machte sehr viel Spaß. Das mit dem Fischen war allerdings weniger erheiternd. Unsere Angeln bestanden lediglich aus einer Schnur mit einem Haken dran. Die hängte man dann mit einem Köder ins Wasser und wartete und wartete und wartete. Während unser Koch einen Fisch nach dem anderen aus dem Wasser zog, hatte unsere Gruppe sonst kein großes Glück. Ich glaube, Fischen ist mir einfach zu langweilig oder ich habe zu wenig Geduld.
Auf jeden Fall war ich froh, als wir endlich weiterfuhren und vor einer kleinen Insel mit Schnorcheln ausgestattet wurden. Das Tauchen machte viel mehr Spaß, obwohl die meisten Korallen leider abgestorben waren.
Während wir im Wasser plantschten bereitete unser Koch das Mittagessen vor. Er zauberte uns gegrilltes Hähnchen, Shrimps und Salat.
Nach dem leckeren Essen fuhren wir weiter zu einer weiteren kleinen Insel mit traumhaftem Strand. Das Wasser war glasklar und der Sand strahlend weiß. Hier hätte ich stundenlang bleiben können. Allerdings merkten wir langsam, dass die Sonne ganz schön stark war und wir trotz Sonnencreme überall rote Stellen bekamen. Daher beschlossen wir bald, dass es Zeit für die Heimfahrt war.

Im Hotel wurde uns dann das Ausmaß des Tages erst so richtig bewusst. Jeder von uns hatte sich einen mega Sonnenbrand geholt. Die Hotelmanagerin versorgte uns netterweise mit Aloe Vera Pflanzen, um die schlimmsten Stellen zu behandeln.
Die nächsten Tage waren, wie gesagt, sehr ruhig und erholsam. Es regnete ein paar Mal, aber dank unseres Sonnenbrands war das auch nicht weiter schlimm.

Tạm biệt Việt Nam

Die Tage auf Phu Quoc waren ein toller Abschluss unserer Vietnamreise. Der Einstieg nach Südostasien fiel uns nicht so leicht (siehe Hanoi), aber in den vier Wochen hatten wir das Land, die Leute und das Essen zu lieben gelernt. Beim nächsten Mal würde ich mir mehr Zeit nehmen und viel langsamer reisen um noch mehr von der Kultur und den Menschen mitzubekommen. Heißt also, wir kommen wieder!

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