Cat Ba (Halong-Bucht)

Cat Ba liegt auf einer kleinen Insel in der Halong-Bucht. Laut Lonely Planet sollte dieser Ort noch nicht so mit Touristen überfüllt sein, wie die anderen Inseln in der Bucht. Der Plan für die zwei Tage war, eine Schiff- und Kayakfahrt zu unternehmen und ein bisschen am Strand abzuhängen. Es sollte allerdings ganz anders kommen.

Ich hatte uns online vorab Bustickets bei dem Reiseanbieter Hoang Long nach Cat Ba gekauft. Angeblich unterscheiden sich die Busunternehmen recht stark in Vietnam und es wird vor Fake-Anbietern gewarnt. Hoang Long kann ich auf jeden Fall weiterempfehlen.
Die Strecke bis Cat Ba war sehr langwierig. Zunächst fuhren wir mit dem Bus ca. 2 Stunden bis in die Stadt Haiphong. Dort wurden wir in einen weiteren Bus verfrachtet, der uns zum Hafen brachte. Von da nahmen wir die Fähre bis zum Hafen in Cat Ba, nur um wieder in einen weiteren Bus geschoben zu werden, der uns ans Ziel brachte. Ganze 5 Stunden dauerte diese Kombination aus Bus-Bus-Fähre-Bus.

Cat Ba ist ein beschaulicher Inselort und nach dem Chaos in Hanoi stellten wir erfreut fest, dass hier nur sehr wenige Motorroller unterwegs waren. Aber lasst euch eins gesagt sein: nur weil es weniger sind, ist es nicht ungefährlicher. Ich muss es wissen, denn ich habe es tatsächlich fertiggebracht, mich von einem der wenigen Rollern anfahren zu lassen. Direkt nachdem wir aus dem Bus ausgestiegen waren und die erste Straße überquerten, kam einer mit Karacho herangerast und in mich hinein. Ich hatte ihn zwar noch gesehen, aber seine Geschwindigkeit unterschätzt. Glücklicherweise war der Schock größer als die Verletzungen: ich kam mit einem geprellten Oberschenkel, Abschürfungen am Oberarm und einer dicken Lippe davon. Neben mir war ein Mann über die Straße gegangen und ihn hatte es leicht am Unterschenkel erwischt. Während er den Rollerfahrer zusammenpfiff, halfen mir seine Schwester und Marc über die Straße und verfrachteten mich in ein Restaurant. Dort brachten mir die netten Besitzer Eiswürfel und hielten mir ein stark riechendes Öl gegen den Schmerz unter die Nase. Mittlerweile hatte ich realisiert, was da gerade passiert war und konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Jean und Beatrix waren sehr hilfsbereit und kümmerten sich um mich, besorgten zusammen mit Marc Kälte- und Wärmepflaster aus der Apotheke und flößten mir kalte Cola ein. Nach einiger Zeit beruhigte ich mich einigermaßen, wir bedankten uns bei den beiden und checkten in unserem Hotel zwei Häuser weiter ein. Dort ruhte ich mich erst Mal ein bisschen aus und leckte meine Wunden. Die geplante Schifffahrt in die Halong-Bucht am nächsten Tag konnten wir auf jeden Fall knicken. Das ärgerte mich sehr, obwohl ich eigentlich froh darüber hätte sein müssen, dass mir nichts Schlimmeres passiert war.

Abends wollten wir noch was essen und gingen die Straße am Hafen entlang. Cat Ba fanden wir ehrlich gesagt nicht besonders schön und sehr touristisch. Mittelmäßige Hotels, Restaurants und Tourenanbieter reihten sich entlang der wenigen Straßen. Aus Bars dröhnte schlechte Musik und es gab nicht wirklich was zu tun. Aus Mangel an Alternativen wählten wir irgendeines der Restaurants, bestellten gebratenen Reis und Nudeln und gingen früh zurück ins Hotel.

Cat Ba ohne Ausflug

Der nächste Tag begann zäh und unmotiviert. Da der Ausflug in die Halong-Bucht wegen meines Unfalls ausgefallen war, wussten wir nicht recht was mit uns anzufangen. Wir schlenderten nach einem mittelmäßigen Frühstück die Straße am Wasser entlang. Der viele Müll darin war uns am Vortag im Dunkeln gar nicht aufgefallen. Die Stadt schien irgendwie trostlos und passte zu unserer Stimmung. Am Ende der Straße sahen wir ein Hostel mit einer kleinen Bar zum Wasser hin und wir beschlossen, dort noch einen Kaffee zu trinken. Gerade als wir Platz nehmen wollten, sahen wir zwei Tische weiter das französische Geschwisterpaar vom Vortag sitzen. Wir gesellten uns zu den beiden und nach gegenseitigem Versichern, dass es Jean und mir bereits besser gehen würden, erzählten die beiden ein wenig aus ihrem Leben. Jean war Kapitän einer Yacht in Frankreich und arbeitete immer eine Jahreshälfte auf dem Boot, die zweite Hälfte verbrachte er dann in Vietnam („Work hard, rest hard“). Bea lebte in Frankreich, hatte aber schon zwei Jahre in Asien verbracht. Jean empfahl uns, einen Roller auszuleihen und ein bisschen auf der Insel herumzukurven. Marc zögerte noch, da er nach dem Ereignis vom Vortag eigentlich gar nicht wirklich Lust auf einen Motorroller hatte. Da es aber wirklich nichts anderes zu tun gab, gab er nach und wir suchten einen der vielen Rollerverleihe auf.

Auf dem Roller zum Nationalpark

Wir zahlten 50.000 Dong (2 EUR) für einen halben Tag Miete und starteten Richtung Norden, wo sich ein Nationalpark befinden sollte. Nach nur wenigen Minuten merkten wir, dass es viel einfacher war, sich mit einem Roller in Vietnam fortzubewegen als zu Fuß. Auf einmal war man Teil des Rhythmus und nicht mehr der störende Faktor. Eine halbe Stunde später kamen wir am Park an, kauften ein Eintrittsticket und machten uns an den Aufstieg des Berges. Schnaufend stiegen wir die vielen Treppen und unebenen Wege hoch. Oben angekommen wurden wir mit einem großartigen Ausblick über die Insel und seine grünen Hügeln belohnt.

 


Nach dem Abstieg nutzte ich den leeren Parkplatz um ein bisschen Rollerfahren zu üben. Im Gegensatz zu Marc besaß ich als Jugendliche keinen Roller, sondern war nur ein paar Mal mit einer alten Hummel meines damaligen Freundes gefahren. Daher war ich mir noch viel zu unsicher für die Straße (v.a. in Vietnam) und begnügte mich mit ein paar Runden auf dem Platz.

Abends aßen wir in einem Fischrestaurant am Ende der Stadt. Wir bestellten eine Grillplatte mit gemischtem Fisch und Meeresfrüchten, die ganz ok war. Der Abstecher in die Halong-Bucht war damit auch schon wieder vorbei und fürwahr kein Erfolg.

 

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