Reunification Express und Hoi An

Nach den ersten Tagen im Norden von Vietnam zogen wir weiter südlich. Der Reunification Express brachte uns langsam und gemächlich in die malerische Stadt Hoi An.

6 Stunden Bus + 13 Stunden Zug

Der nächste Tag war komplett dem Reisen gewidmet. Zunächst unternahmen wir wieder die Kombination Bus-Fähre-Bus-Bus um zurück nach Hanoi zu kommen. Dort hatten wir noch ein paar Stunden Aufenthalt bevor um 19 Uhr der Nachtzug nach Hoi An abfahren sollte. Eigentlich hätte man für wenig Geld auch das Flugzeug nehmen können und wäre in unter einer Stunde dort angekommen. Allerdings fand ich den Gedanken mit dem Nachtzug durch Vietnam zu tuckern total spannend und freute mich auch schon seit Tagen darauf. Marc hatte die Tatsache, dass wir 16 Stunden unterwegs sein würden bis kurz vor der Abreise komplett verdrängt. Als wir am Bahnhof saßen, dämmerte es ihm langsam und er beschwerte sich ganz bitterlich über meine Schnapsidee. Leider zu spät, jetzt musste er mit mir da durch (hihi).

Reunification Express

Der Begriff Reunification Express ist ein wenig irreführend, da kein vietnamesischer Zug diesen Namen öffentlich trägt. Man kann es eher als einen Hinweis auf die Wiedervereinigung des Landes sehen, da die Strecke die Städte Hanoi mit Saigon verbindet. Die komplette Route ist 1.726 km lang und hat eine Reisezeit von ca. 32 Stunden.
Tickets für den Zug zu bekommen war übrigens recht einfach. Man kann entweder am Bahnhof in Hanoi Karten kaufen oder online bei der vietnamesischen Zuggesellschaft reservieren und die Tickets dann am Bahnhof abholen. Ich hatte mich für die zweite Optionen entschieden und uns die unteren Betten in einem Vierer-Schlaf-Abteil ergattert. Es gibt verschiedene Klassen in dem Zug mit unterschiedlichen Komfort-Levels. Die unbequemste Variante sind die Abteile mit Holzbänken, gefolgt von Soft-Sitzern und Schlafwaggons. Bei den Schlafabteilen hat man die Wahl zwischen 6- oder 4-Bett-Abteilen.

Die oberen Betten unseres 4er-Abteils wurden von zwei jungen Amerikanern besetzt, die wir nur beim Ein- und Aussteigen zu Gesicht bekamen. Nicht mal auf Toilette mussten die beiden in den vielen Stunden Zugfahrt. Bevor es losging, besorgten wir uns noch Proviant: Banh Mi Sandwiches, Frühstück, Süßigkeiten, Wasser und eine extra große Packung Taschentücher. Wozu die? Meine Pechsträhne nahm kein Ende und ich bekam an diesem Tag eine böse Erkältung. Die ganze Nacht schniefte ich vor mich hin, was mir irgendwann ein bisschen unangenehm wurde. Trotz allem war die Fahrt erstaunlich angenehm. Marc konnte sich im Bett sogar komplett ausstrecken und so ganz gut schlafen.
Am nächsten Morgen besorgte ich uns erst einmal vietnamesischen Kaffee mit süßer Kondensmilch aus dem Speisewagen am anderen Ende des Zuges. Auf dem Weg dahin konnte ich die oben beschriebenen Zugklassen begutachten. Mann, war ich froh, dass wir uns für die 4er-Bett-Variante entschieden hatten. Die restlichen Klassen sahen wirklich nicht sehr bequem aus.

Zwischen der Stadt Hue und unserer Haltestelle Da Nang kam dann der schönste Teil der Strecke. Der Zug schlängelte sich ganz langsam an der Küste entlang den Berg hoch. Die Landschaft war traumhaft schön und ich verbrachte die zwei Stunden am Fenster stehend, die Kamera und das Handy in der Hand und konnte mich gar nicht mehr einkriegen. Genau so hatte ich mir das vorgestellt! Und selbst Marc musste zugeben, dass die Fahrt viel Spaß gemacht hatte (ha!).

Von Da Nang nach Hoi An

In Da Nang angekommen stiegen wir trotz Zurufe zahlreicher Taxifahrer am Bahnhof („Hello, hello! Taxi, hello!“) in einen Minibus Richtung Hoi An. Obwohl ich vorab recherchiert hatte, dass ein Ticket 20.000 Dong kosten sollte, bestand der Busfahrer auf den Preis von 50.000 Dong. Selbst nach einigen Versuchen, mit ihm zu verhandeln, blieb er hartnäckig. Zähneknirschend gab ich ihm das Geld und ärgerte mich die komplette Fahrt darüber, dass wir so abgezockt wurden.

Das Problem in Vietnam ist, dass nirgendwo Preise angeschrieben sind. Weder auf Märkten, was man aus anderen Ländern ja kennt, noch an Bussen und nicht Mal in Supermärkten. Das hat zur Konsequenz, dass eigentlich jeder Verkäufer oder Busfahrer wahllos Preise aufrufen kann. Gut für das Geschäft, schlecht für Touristen. Beim Einkaufen kann man sich ja auch noch umdrehen und wieder gehen. Aber was macht man in einem Bus, den man ja unbedingt nehmen muss, um von A nach B zu kommen?
Der Bus brachte uns bis zum Busbahnhof in Hoi An und wir liefen die restlichen Meter zu unserem Hotel. Da ich immer noch recht verschnupft war, beließen wir es an diesem Tag mit einem kurzen Abendessen und einem kleinen Abstecher in die Altstadt. Dort war es sehr angenehm, denn Abends sind Roller in dem alten Stadtteil verboten. Man konnte sich also endlich als Fußgänger frei bewegen.

Ruhige Tage in der Stadt

Hoi An ist bei den meisten Leuten für zwei Dinge bekannt: Schneidereien, in denen man sich maßgeschneiderte Kleidung für wenig Geld anfertigen lassen kann und eine große Auswahl an Kochkursen. Zu unserer Freude kam noch ein weiterer positiver Aspekt dazu: ein sehr hübscher Strand. Nach einer kurzen Stärkung bei Madam Khan mit einem leckeren Banh Mi, radelten wir mit unseren Leihrädern die paar Kilometer zum Meer.

Wir hatten in Hanoi von einem netten Banh Mi Verkäufer den Tipp bekommen, in die Soul Bar zu gehen. Der Tipp war gold wert. Man konnte dort in entspannter Atmosphäre auf großen Liegen den Tag verstreichen lassen, einen kühlen Drink zu sich nehmen und beobachten, wie langsam die Sonne unterging. Uns gefiel es dort so gut, dass wir gleich zwei Mal hierher kamen, um ein bisschen am Strand abzuhängen und zu „arbeiten“, also zu programmieren und Blog-Posts zu schreiben.

Vietnamesischer Kochkurs

Für unseren dritten Tag in Hoi An hatte ich uns einen Kochkurs bei Green Bamboo gebucht. Wir wurden morgens um 8 Uhr direkt am Hotel abgeholt. Im Minibus saßen neben der Chefköchin Van auch bereits die anderen Teilnehmer: ein jüngeres Paar aus Deutschland, zwei Ehepaare, die in Hong Kong lebten und aus Neuseeland bzw. Australien kamen und ihre vier Kinder. Im Bus wählte jeder aus einer Liste ein Gericht aus, das er an diesem Tag kochen wollte.
Unser erster Halt war der Markt, wo wir die Zutaten für unsere Rezepte besorgten und uns Van erklärte, wie das Markttreiben in Vietnam funktionierte.

Kaffeepause nach dem Einkaufen.

Die meisten Stände öffneten bereits zwischen 4 und 5 Uhr morgens. Zu dieser Zeit kamen die Lieferanten für die Restaurants um ihre Bestände zu erwerben. Später waren es dann die privaten Haushalte und die ersten Personen auf der Suche nach Pho Bo, der vietnamesischen Nudelsuppe, die man hier zum Frühstück isst. Gegen Mittag war der größte Trubel bereits vorbei. Vor allem Fleisch wurde dann selten verkauft, weil es eigentlich schon zu alt war.
Nachdem wir alles besorgt hatten, machten wir uns auf den Weg in die Kochschule, die gleichzeitig die Wohnung von Van war. Dort warteten bereits 3 weitere Küchenhilfen auf uns, die die Einkäufe entgegen nahmen und die ersten Vorbereitungen trafen. Van reihte uns um einen großen Tisch in der Küche und erklärte, wie unsere Gerichte zubereiten würden. Im Anschluss war jeder mit seinem eigenen Rezept beschäftig, schnippelte und würzte unter Anleitung der Kochchefin. Bis zum Ende des Kurses hatten wir nacheinander diese Speisen zubereitet und geteilt:

  • Sommerrollen
  • Papayasalat mit Shrimps (Marcs Gericht)
  • Rindersalat mit Minze und Zwiebel
  • Mangosalat mit Tintenfisch
  • Hähnchencurry
  • Karamelisiertes Hühnchen mit Ingwer
  • Gedämpfter Fisch mit Schweinebauch und Gemüse (mein Gericht)
  • Gegrilltes Schwein mit Erdnuss-Sauce
  • Nudeln mit Rindfleisch und frischen Kräutern
  • Rindfleischsuppe (Pho Bo)
  • Schweinebauch mit Gemüse

Sobald ein Gericht fertig war, bekam jeder eine kleine Portion zum Probieren. Das summierte sich natürlich und nach den vielen Gängen war jeder pappsatt. Es war sehr interessant einen Einblick in die vietnamesische Küche zu bekommen, v.a. zu lernen wie die einzelnen Geschmäcker (sauer, scharf, süß, salzig) zusammenspielen. Zum Abschluss trank jeder noch einen Macadamia-Schnaps (nom) und wir wurden mit einem Kochbuch und ein paar Küchenutensilien ausgestattet wieder zurück ins Hotel gebracht.

Neue Hosen und leckeres Essen

Marc wollte sich seine kurze Hose nachschneidern lassen, da diese schon recht alt war und der Stoff etwas dünn wurde. Wir wählten dafür die Schneiderei Yaly Couture aus, wo er sich zwei Stoffe aussuchte. Dann wurde noch Maß genommen und für 25 Dollar sollten die neuen Hosen schon am nächsten Tag fertig sein.

Mittags gingen wir ins Restaurant Nu Eatery, das sich etwas versteckt in einer kleinen Gasse in der Altstadt befand. Auf dem Weg dorthin überquerten wir den Fluß über die berühmte japanische Brücke in Hoi An, für die man sogar Eintritt bezahlen musste. Marc bestellte sich Banh Mi mit Pulled Pork und ich Reis mit Hühnchen und gegrillten Okra-Schoten. Das Essen war so lecker, dass wir beschlossen, am nächsten Tag nochmal herzukommen.


Den restlichen Tag verbrachten wir recht entspannt in der Stadt. Wir schlenderten ein wenig über den Markt und zum späten Nachmittag ließen wir uns auf der Dachterasse in einem Restaurant nieder. Dort schlugen wir unsere Laptops auf und arbeiteten ein bisschen weiter. Als es ein paar Stunden später zu regnen begann, flüchteten wir einfach eine Etage tiefer und die Entscheidung, wo wir zu Abend essen war somit getroffen.

Letzter Tag

Und schon war er wieder da, der letzte Tag in Hoi An. Zunächst gingen wir zum Schneider für das „Fitting“ der Hosen. Beide schauten wirklich gut aus. Es wurden noch ein paar letzte Anpassungen markiert und Abends hatte die Schneiderei die Hosen in unserem Hotel hinterlegt. Das war vielleicht ein Service! Den Rest des Tages verbrachten wir damit, all unsere Lieblingsplätze in der Stadt noch einmal aufzusuchen: also am Strand in der Soul Bar abhängen und Abendessen im Nu Eatery.
In Hoi An hatten wir uns sehr wohl gefühlt. Die entspannte Stimmung und die guten Restaurants waren ein angenehmer Kontrast zum Trubel in Hanoi. Vielleicht war der Kulturschock aber auch schon überwunden.

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