Mekong Delta

Für die nächsten 48 Stunden war volle Action im Mekong-Delta angesagt. Viel Schlaf hatten wir nicht, dafür erlebten wir wunderbare Moment mit tollen Menschen und lernten eine Menge über Land und Leute in Vietnam.

Can-Tho

Mit dem Bus fuhren wir 4 Stunden in die Stadt Can Tho im Mekong Delta. Hier hatte ich uns ein Zimmer im Chambres D’Hôtes MEKONG-LOGIS gebucht, einer kleinen familiengeführten Unterkunft. Eigentlich hatte ich das Hotel nur wegen der sehr gut bewerteten Mekong-Tour ausgewählt, die von der Tochter des Hotelbesitzers organisiert wurde. Und eines kann ich schon vorab verraten: unsere Erwartungen wurden keinesfalls enttäuscht.
Am Busbahnhof in Can Tho lernten wir ein Paar aus New York kennen. Nick war Amerikaner und Allison kam aus Frankreich. Beide waren ungefähr in unserem Alter und zu unserer Überraschung stellten wir fest, dass sie im gleichen Hotel untergebracht waren, wie wir. Während wir im Minibus dahin gebracht wurden, erzählte uns Nick, dass sie am Abend eine Streetfood-Tour machen würden und – spontan wie wir nun mal sind – beschlossen wir uns anzuschließen.
Nach einer sehr netten Begrüßung in unserem Hotel erklärte uns unser Tourguide Linh den Plan für den nächsten Tag, was wir alles machen und sehen würden, wie wir wo hingebracht würden und so weiter. Allerdings blieb von ihren Schilderung nur die Ansage hängen, dass es um 5:45 morgens los gehen würde. Puh – ganz schön früh.

Rattenfleisch und der beste Sticky Rice in ganz Vietnam

Wir machten uns nach der Begrüßung noch schnell frisch und schon ging es weiter zur Streetfood-Tour. Zusammen mit 4 weiteren Personen (zwei Belgiern, einer Französin und einem Amerikaner) führte uns unser Guide, dessen Namen ich leider vergessen habe, durch einige Restaurants. Wir probierten Sommerrollen mit gegrilltem Schweinefleisch, frittierte Muffins mit Meeresfrüchten und Hot Pot mit Schwein und Rattenfleisch (!). Zum Schluss gab es an einem winzigen Straßenstand noch den besten Sticky Rice in ganz Vietnam (meiner Meinung nach).

Während wir die tollen Sachen probierten, erzählte uns der Guide ein paar Dinge über die vietnamesischen Essgewohnheiten. Zum Beispiel fahren Vietnamesen Mittags immer nachhause, um mit der Familie zu essen. Deswegen dauert die Mittagspause auch meist zwei Stunden. Das Frühstück gibt’s an einem der Streetfoodläden und besteht zumeist aus einer Nudelsuppe. Außerdem erklärte er uns die Geschichte der vietnamesische Sprache. Folgendes habe ich mir merken können. Da der Ursprung der Sprache aus dem Chinesischen kommt, wurden anfänglich chinesische Schriftzeichen verwendet. Als die Franzosen begannen Vietnam zu kolonialisieren, überführten sie diese Schriftzeichen ins lateinische Alphabet. Das Schwierigsten an der Sprache ist die Intonation. Identische Wörter mit unterschiedlicher Betonung haben eine komplett unterschiedliche Bedeutung. Das Problem ist, dass das lateinische Alphabet für diese feinen Unterschiede nicht ausgelegt ist. Daher werden im Vietnamesischen so viele Akzentzeichen eingesetzt, um die Details der Intonation abzubilden. Verrückt, oder?

5 Uhr morgens in Can Tho

Am nächsten Morgen war es also so weit: 5 Uhr morgens aufstehen, 5:45 rauf auf die Roller und die ca. 20km zum schwimmenden Markt zurücklegen. Obwohl es noch sehr früh war, war bereits so einiges los auf den Straßen. Glücklichweise fuhr Marc den Roller und ich konnte mich entspannen.

Der schwimmende Markt

In Can Tho gibt es insgesamt zwei schwimmende Märkte: der etwas größere Markt Cai Rang, der von Touristen belagert wird und der Kleinere Phong Dien, den sich Linh für unsere Tour ausgesucht hatte. Unser Boot wartete bereits am Flussufer auf uns und wir reihten uns in den Trubel der Marktboote ein. Linh erklärte uns, dass hier Lebensmittel in großen Mengen für Restaurants und Hotels verkauft werden. Als wir uns über die geringe Anzahl an Schiffen wunderten, die hier ihre Waren anboten, meinte sie, dass der schwimmende Markt bereits am Aussterben sei. Die meisten Einkäufer wechselten mittlerweile zu den normalen Märkten in der Stadt, da der Transport der Güter über Land einfacher geworden sei.

Keine Tour ohne Markttreiben

Nach dem Besuch auf dem schwimmenden Markt war es erst mal Zeit für Frühstück. Linh brachte uns in ein kleines Restaurant, wo sie Nudelsuppe für uns bestellte. Sie schmeckte super lecker und ich konnte nachvollziehen, wieso Asiaten dieses Frühstück gut fanden. Zwei vietnamesische Kaffee später waren wir wach(er) und satt und Lihn zeigte uns den lokalen Markt. Er unterschied sich nicht groß von dem in Hoi An, aber es wird mir einfach nicht langweilig, die Menschen zu beobachten und viel zu viele Bilder zu schießen. Wir kauften ein paar Früchte und Linh hatte eine Menge Spaß daran, uns lebende Schlangen in die Hand zu drücken, die hier verkauft wurden.

Tempel, Pagode und Wahrsagen

Um uns die vietnamesische Kultur ein bisschen näher zu bringen, führte Linh uns in einen Tempel neben dem Markt. Dort erklärte sie uns zunächst den Unterschied zwischen Tempel und Pagode. In Tempeln werden „realen“ Personen gehuldigt, also Königen, Heiligen oder auch mal Naturgöttern. Man findet darin oft Abbildungen und Schriftstücke von den großartigen Taten dieser Personen. Eine Pagode hingegen ist komplett dem Buddhismus gewidmet. Hier wird also nur zu Buddha gebetet. Linh zeigte uns zudem einige Utensilien, die von Vietnamesen genutzt werden, um sich Antworten über ihre Zukunft geben zu lassen (aka Wahrsager-Zeugs).

Generell glauben viele Vietnamesen an diese Art, sich ihr Schicksal vorhersagen zu lassen und suchen deswegen Wahrsager auf. Diese erzählen ihren Kunden dann, was bald in ihrem Leben Gutes oder Schlechtes passieren könnte. Möchte man das Gute bestärken bzw. das Schlechte abwenden, zahlt man dem Wahrsager Geld, der dann dafür betet. Linh quittierte diesen Glauben ihrer Landsleute nur mit einem genervten Augenrollen.

Die Vielfalt des Mekong-Deltas

In unserem Boot fuhren wir im Anschluss weiter den Fluss entlang, wo sich vereinzelt Häuser am Flussufer befanden. Zwischendrin stiegen wir aus, um uns das Leben am Mekong-Delta von der Nähe anschauen zu können. In diesem Teil lebte die ärmere Bevölkerung von Can Tho, was man an den kargen Häusern und Einrichtungen erkennen konnte. „Aber alle haben einen Fernseher“, kommentierte Linh das Leben am Fluss. Sie fragte in einem der Häuser nach, ob wir kurz einen Blick hineinwerfen könnten und die etwas ältere Besitzerin öffnete großzügig ihre Tür für unsere neugierigen Blicke. Wir bedankten uns mit einer kleinen Geldspende und erhielten als Gegenleistung eine Mango geschenkt.

Zum Abschluss der Tour fuhren wir durch einen Abschnitt der Flusses, das Linh als ihr Paradies bezeichnete. Und das war es auch: am Ufer entlang wuchsen wunderschöne Palmen, das Wasser war ausnahmsweise sauber und man hörte nichts weiter als die Geräusche der Natur. Jeder von uns durfte dann noch ausprobieren, das Boot zu fahren. Die Paddel mussten dabei mit einer eigenen Technik bewegt werden, was sich als gar nicht so leicht herausstellte.

Gegen 13 Uhr ging’s mit den Rollern wieder zurück in die Stadt, wo uns Linh noch in eines ihrer Lieblingsrestaurants brachte. Gestärkt mit Reis, Fleisch und Gemüse kamen wir gegen 14 Uhr im Hotel an und fielen erst mal totmüde ins Bett.

Hoverboards-Profis (fast)

Ein paar Stunden später wachten wir wieder auf und beschlossen, noch einen Abstecher in die Stadt zu unternehmen. Nick begleitete uns, während Alison doch lieber im Bett bleiben wollte. Wir aßen ein paar kleine Gerichte auf dem Nachtmarkt und suchten nochmal den Sticky Rice Stand vom Vortag auf (es war einfach zu lecker). Auf dem Heimweg kamen wir an einem Platz vorbei, wo einige Jugendliche auf Rollerskates rumkurvten. Zudem konnte man sich dort Hoverboards ausleihen, was die Jungs natürlich auch gleich ausprobieren wollten. 30 Minuten lang wackelten wir kreuz und quer über den Platz. Also ich wackelte, die zwei hatten es relativ bald raus und flitzten um mich herum.

Wir hatten ganz schön viel erlebt in den zwei Tagen und waren auch sehr müde, als wir am nächsten Tag wieder um 6 Uhr rausmussten, um die Fähre auf die Insel Phu Quoc zu nehmen. Aber die kurze Zeit in Can Tho war so reich an Informationen und tollen Erlebnissen, von denen wir immer wieder erzählen.

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