Myanmar

Dieser Blogpost ist nicht so leicht zu schreiben ohne möglicherweise einige Menschen vor den Kopf zu stoßen, die Myanmar schon bereist haben und von dem Land begeistert sind. Daher bitte ich zu beachten, dass dieser Bericht eine sehr individuelle Meinung in einer recht speziellen Situation darstellt.

Irgendwann mussten wir Bangkok schweren Herzens verlassen. Unser Visum lief aus und wir wollten unseren Reiseplan auch nicht komplett über den Haufen werfen. Also ging die Reise weiter nach Myanmar. Wir hatten schon von Vorhinein ein bisschen Bauchschmerzen gehabt, in ein Land zu fahren mit einer korrupte Regierung, die ihre Bevölkerung an vielen Stellen unterdrückt. In verschiedenen Blogposts fanden wir Tipps, wie man die Regierung umgehen soll, um als Tourist der Bevölkerung helfen zu können.
Aber natürlich gab es auch so viele tolle Berichte von einem Land, das sich nur sehr langsam dem Tourismus öffnet und so noch unerschlossen und nicht komplett überlaufen ist.

Yangon

Wir kamen zum späten Abend in Yangon am Flughafen an. Ein Taxi zu finden war recht einfach und wir teilten uns die Fahrt mit einem weiteren Deutschen, der uns am Ausgang angesprochen hatte.
Ich war wirklich überrascht, wie hoch die Hotelpreise in Myanmar waren. Wir zahlten 40 EUR pro Nacht für ein winziges Zimmer ohne Fenster. Verglichen mit den Preisen in Thailand der Hammer.
Auf dem Weg zum Abendessen bekamen wir einen ersten Eindruck von der Stadt. Die Straßen und Häuser wirkten recht heruntergekommen, es gab zahlreiche Löcher in den Straßen, an vielen Stellen lag Müll rum und es roch nicht besonders gut. Die Straßen waren überseht mit roten Flecken – Spuckreste von dem Betelnuss-Kautabak, der sehr beliebt ist in Myanmar.
Das Restaurant hatte nichts mit der Umgebung zu tun. Es war sehr hübsch eingerichtet und das Essen super lecker. Es schmeckte wie eine tolle Mischung aus der thailändischen und indischen Küche.
Nach dem Essen wollten wir noch im Supermarkt ein Bier kaufen, was allerdings um die Uhrzeit nicht mehr möglich war. Alkohol-Gesetzte sind sehr unterschiedlich von Land zu Land. Und als Deutscher ist man oft überrascht, dass es so viele Einschränkungen gibt.
Naja, dann ging’s halt doch direkt zurück in unser fensterloses Zimmer.

Ein Tag in Yangon

Wir schliefen beide recht schlecht in dieser Nacht und der nächste Morgen startete dementsprechend zäh. Irgendwie drückten wir uns beide ein wenig davor, rauszugehen und die Stadt zu erkundigen. Im Hotel zu bleiben und im fensterlosen (ja, ich betone es hier nochmal) Zimmer zu sitzen, war natürlich auch keine Alternative. Daher rissen wir uns zusammen und starteten erst einmal Richtung Zentrum.
Wir bahnten uns unseren Weg zwischen den Menschen, die an den Marktständen einkauften, zahlreichen bettelnden Mönche und Straßen voller alter Autos und knatternden Bussen. Viele Männer trugen die traditionellen burmesischen Tücher um die Hüften, was wirklich gut aussah. In den Gesichtern hatten sich viele Menschen die traditionelle Creme „Thanaka“ aufgetragen, einer gelblich-weißen Pastem die aus Baumrinde hergestellt wird. Die Creme soll vor UV-Strahlen schützen und der Haut ein jüngeres Aussehen verleihen. Also eine Mischung aus Make-up und Creme. Schon lustig, wie unterschiedlich man Kosmetik interpretieren kann. Wahrscheinlich fände man in Myanmar die europäische Variante zu düster (oder so).
Der Trubel, gepaart mit Hitze und den Gerüchen, war uns schnell zu viel. Also suchten wir uns ein kleines Restaurant raus, in dem wir zu Mittag aßen und ein bisschen zur Ruhe kommen konnten.

Shwedagon Pagode

Die Pagode ist wohl eines der bekanntesten Attraktion in Yangon und in ganz Burma. Und ich wollte den Tag nutzen, und mir die Attraktion anzusehen (Marc hatte da eine etwas andere Meinung). Von der Innenstadt hatten wir ein ganzes Stück Weg vor uns, um dort hin zu kommen. Kaum waren wir aus dem Zentrum raus, wurde der Trubel um einiges ruhiger. Viele Fußgänger waren generell nicht unterwegs. Aber wir finden es oft angenehmer, einen Ort zu Fuß zu erkunden, als vom Taxi aus.
Im Tempel angekommen, musste Marc sich erst einmal eine längere Hose anziehen, die er vorausschauender Weise mitgebracht hatte. Man nahm es hier mit den Sitten sehr streng und jeder Besucher wurde erst einmal streng kontrolliert. Eine steile Treppe führte zum Tempel hoch. An beiden Seiten befanden sich kleine Geschäfte, die Bücher, religiöse Schriften und Souvenirs verkauften.
Oben angekommen betraten wir eine surreale Welt. Die Pagode erstrahlte in Weiß- und Goldtönen, der Boden war mit Marmor ausgelegt. Die vielen Gebäude und Tempel versuchten sich gegenseitig mit ihren Goldbeschlägen und Farben zu überbieten. Überall saßen Mönche und betende Menschen, manche überschütteten Buddha-Statuen mit Wasser, was als Opergabe gedacht ist. Irgendwie hatte ich früher immer den Eindruck, dass der Buddhismus eine recht zurückhaltende Religion war und große Prunkbauten eher beim Christentum oder Islam zu finden sei. Dieser Tempel bewies, dass ich eindeutig falsch lag. So viel Gold auf einem Fleck, verrückt.

Was nun?

Jetzt kommt der schwierige Teil des Reiseberichts. Nach unserem Besuch in der Pagode setzten wir uns in ein Restaurant, um über unsere Eindrücke und Gefühle zu sprechen. So ganz gut ging es uns beiden nicht. Marc war der Erste, der es aussprach: „Ich will hier weg. Können wir nicht einfach kapitulieren und weiterfliegen?“ Meine erste Reaktion war Widerspruch. Jetzt aufgeben? Einfach einen Plan über den Haufen werfen? Vielleicht auch noch eingestehen, dass wir mit dem Reiseziel falsch lagen? Alles Dinge, die mir nicht leicht fallen.
Es war schwer zu sagen, wieso es uns tatsächlich nicht gut ging in Myanmar. Vielleicht waren wir einfach nicht mehr so auf ein Abenteuer aus, wie die Monate zuvor. Und die Vorstellung, uns jetzt mit viel Anstrengung einen Weg durch das Land zu bahnen, war nicht verlockend. Vielleicht war Myanmar auch eine Nummer zu groß für uns. Oder wir waren einfach übersättigt. Oder alles zusammen.

So oder so, war das Gefühl schon ein wenig merkwürdig, alles abzublasen und einen Weiterflug zu buchen. Als wir dann aber am nächsten Morgen im Taxi zum Flughafen saßen, freuten wir uns auf Singapur und das war ein Zeichen, dass es die richtige Entscheidung war.

1 Kommentar

  1. Kann ich gut nachvollziehen, Eure Entscheidung. Wer mit dem Herzen hört…. Das ist immer am besten. 🙂 Die Fotos geben auch keine charmante Stimmung wider… LG Doro

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