Singapur

Eigentlich müsste Marc ja diesen Artikel schreiben. Denn er war auf Anhieb in Singapur verliebt und sehr traurig, dass wir nach 10 Tagen leider wieder abreisen mussten. Ich glaube, das war nicht unser letzter Aufenthalt in diesem verrückten und schönen Stadtstaat.
Die ersten zwei Nächte verbrachten wir im „The Pod“-Hotel im arabischen Viertel. Der Name ist hier Programm, denn es ist ein „Capsule“ Hotel, bei dem man nur einen kleinen Raum mit Bett und Tisch zur Verfügung hat und sich das Bad, wie im Hostel, mit den anderen Gästen teilt.

Der Hunger trieb uns nach dem Check-in nochmal raus in die Stadt, obwohl es schon halb zehn Abends war. Die meisten Restaurants hatten schon geschlossen oder die Küche war bereits kalt. Bei einem orientalischen Restaurant bekamen wir noch ein paar Mezze und ein Bier für den Hammerpreis von 50 Dollar! Das waren wohl das teuerste Hummus und Babaghanoush meines Lebens!

Das etwas andere Südostasien

Schon bei der Ankunft war klar, dass Singapur ganz anders war als die Länder, die wir bis jetzt in Südostasien gesehen hatten. Alles lief sehr geregelt ab. Beispielsweise wurden wir an der U-Bahn am Flughafen direkt von einer Dame am Ticketschalter begrüßt, die darin geschult war, Touristen in Windeseile mit Tickets zu versorgen. „Where do you want to go? You need this ticket. Put 5 Dollars here and have a nice trip, bye bye“.  So schnell saßen wir noch nie in der Bahn!
Unser Check-in im „The-Pod“ wurde auch nicht von der Rezeptionistin des Hotels durchgeführt, sondern wir wurden an den Check-in Automaten verwiesen.

Die vielen Regeln waren eine weitere Sache, die mir an der Stadt auffielen. An vielen Stellen standen Schilder mit Hinweisen zu Verboten, wie das Wegwerfen von Müll, und den hohen Geldstrafen bei Verstoß.
Das Alkoholgesetz war ein weiteres Beispiel für das strenge Regiment. Es hat ein wenig gedauert, bis wir es wirklich verstanden hatten. Also, ab 22:30 Uhr darf kein Alkohol mehr in den Geschäften verkauft und auch nicht mehr an öffentlichen Plätzen konsumiert werden. In manchen Stadtteilen, wie zum Beispiel Little India und Geylang (da, wo unsere Wohnung war) gibt es zwischen Freitag Abend und Montag Vormittag ein komplettes Alkoholverbot, da es in diesen Stadtteilen im Jahr 2013 zu einem Aufstand kam und sie daher als „Danger Zone“ eingestuft wurden. Man sah generell fast keine Menschen an öffentlichen Plätzen trinken. Ich fand das schon schade, denn wir saßen so gerne am Marina Bay und sahen uns die Skyline der Stadt an. Und bei dem Wetter passte auch manchmal ein kühles Bier dazu. Aber man kam sich dann wirklich wie der größte Alkoholiker vor, wenn man da so ganz alleine mit seinem Chang Bier abhing.

Geld sparen in der teuren Stadt

Singapur ist ein sehr teures Pflaster. Um unser Reisebudget nicht zu sprengen und trotzdem Spaß in der Stadt haben zu können, mussten wir an anderen Stellen sparen. Nach zwei Tagen im Hotel, suchten wir uns ein geeignetes Airbnb. Es war zwar immer noch kein Schnäppchen, aber unsere Wohnung im Stadtteil Geylang hatte einen kleinen Fitnessraum und war umgeben von günstigen Einkaufsmöglichkeiten.

Restaurants und Bars waren für unsere Verhältnisse viel zu teuer. Daher aßen wir meist in den sogenannten Hawker Centern. Die Hawker Center entstanden in den 60er Jahren als Problemlösung für die angeblich unhygienischen Zustände der Straßenhändler. Als Alternative baute man halboffene, überdachte Gebäude und brachte dort die Stände unter. Mittlerweile findet man diese in fast jedem Stadtteil und im Untergeschoss der Einkaufszentren. Für 5 Dollar bekommt man hier ein frisch zubereitetes Essen. Die Gerichte sind simpel, super lecker und bieten eine Auswahl an Speisen aus ganz Asien: Schwein mit Reis wie in Hongkong, Suppen, vietnamesische oder thailändische Gerichte, DimSum, etc. Ein frisch gepresster Sugarcane-Saft dazu und wir waren glücklich und satt. Nach einigen Tagen kannten mich schon ein paar Besitzer im Hawker-Center neben unserer Wohnung und grüßten mich freundlich. So was passiert mich noch nicht mal bei unserem Bäcker in Hamburg.

Ach, und dann noch einmal kurz zum Thema Drinks. Die Preise in Bars sind ungeheuerlich hoch. Wenn man mal ein bisschen im Internet darüber recherchiert, findet man zahlreiche Artikel über Happy Hour Möglichkeiten oder Day Drinking, da das günstiger sein soll. Aber das ist nicht so unser Ding. Daher haben wir entweder auf den Alkohol komplett verzichtet, oder günstigeres Bier im Supermarkt gekauft.

Sehenswürdigkeiten

Es ist der Wahnsinn, was es alles tolles in Singapur zu sehen und zu tun gibt. Hier habe ich euch mal eine kleine Auswahl der Dinge zusammengestellt, die wir in der doch eher kurzen Zeit unternommen haben.

Orchard Road

Die Orchard Road ist die Champs Élysée Singapurs. Die Einkaufszentren reihen sich hier wie Perlen an eine Kette. In der Vorweihnachtszeit (also die Zeit unseres Aufenthalts) wurde alles in einen Riesen Weihnachts-Kitsch-Topf gedippt. Die Mischung aus Hitze und Weihnachtssongs an jeder Ecke wirkte ein wenig bizarr, aber wir gewöhnten uns schnell daran und kamen doch tatsächlich in Stimmung.

Sentosa

Eine kleine Insel, die von der Innenstadt mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut erreichbar ist. Im Vordergrund steht hier der Vergnügungspark.

Marina Bay

Unser Lieblingsplatz in Singapur! Über die Esplanade erreicht man nicht nur viele Attraktionen, wie die Helix-Brücke, das Marina Bay Sands Hotel und das Art Science Museum, sondern man hat von dort aus auch einen wunderschönen Blick auf die Stadt. Eigentlich verbrachten wir fast jeden Abend am Wasser und waren glücklich, unseren Lieblingsplatz gefunden zu haben.

Merlion Park

Das Wort Merlion ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus Mermaid und Lion. Das Fabelwesen gilt als Schutzpatron der Stadt. Den Merlionbrunnen kann man in der Nähe des Central Business District beim Wasserspeien beobachten.

Gardens by the Bay

Das Funkeln in Marcs Augen hättet ihr mal sehen sollen, als wir endlich bei Gardens by the Bay ankamen. Das Parkgelände ist riesig und die Supertrees kann man eigentlich gar nicht beschreiben. Man muss sie gesehen haben, um das verrückte Gefühl nachzuempfinden, das man bekommt, wenn man davor steht. Es ist nicht besonders günstig, auf die Plattform hochzufahren, aber das Geld ist es wirklich wert. Auf einer Höhe von 50 Metern kann man von Baum zu Baum gehen und man hat einen großartigen Ausblick auf die Stadt. Wir hatten den Besuch absichtlich so getimt, dass wir bei Dämmerung auf der Aussichtsplattform waren und so beobachten konnten, wie die Lichter der Stadt langsam angingen. Meine Höhenangst wurde nach einiger Zeit auch erträglich (siehe Beweisfotos unten) aber ich war sicherlich nicht so entspannt, wie Marc, der sich einen Spaß daraus machte, meine Angstzustände zu dokumentieren.

Die Vorweihnachtszeit hatte natürlich auch vor dem Park keinen Halt gemacht, ganz im Gegenteil. Um die Supertrees herum war ein kleiner Weihnachtsmarkt aufgebaut. Es gibt eine Musikshow, die täglich zwischen 19.45 und 21 Uhr gespielt wird und zu dem die Lichter der Bäume abgestimmt werden. Diese war im Dezember komplett der Weihnachtszeit gewidmet und wir kamen in den Genuss eines Medleys der größten X-Mas Hits. Die Situation, bei 30 Grad vor den Supertrees zu sitzen, Mariah Carey „All I want for Christmas“ trällern zu hören und dann auch noch künstlichen Schnee in Form von Seifenblasen abzubekommen, werden wir sicherlich nicht so schnell vergessen.

Botanic Gardens und National Orchid Garden

Diese beiden Parks liegen nah beieinander und sind auf jeden Fall sehr sehenswert.

Cloud Forest

Die Kombination aus Technik und Natur kann man nicht nur bei den Supertrees bestaunen, sondern auch im Cloud Forest. Dieser künstliche Wald ist in mehrere Stockwerke aufgeteilt und man kann als Besucher, die Vegetation in den unterschiedlichen Höhen nachempfinden. Alleine die hohen Wasserfälle innerhalb des Gebäudes sind schon beeindruckend. Trotz hoher Eintrittspreise sehr sehenswert.

Chinatown

Wie der Name schon sagt, hat Chinatown immer noch eine sehr hohe Dichte an chinesischen Einwohner bzw. Auswanderern. Die Stimmung ist hier auch ein bisschen anders, als in den anderen Stadtteilen Singapurs. Wo findet man sonst einen Platz, an dem ein ganzer Pulk an Männern zusammensitzen und Dame spielen?
In Chinatown steht auch der Buddha Tooth Relic Temple, einer der bekanntesten buddhistischen Tempel der Stadt.

Essen

So, genug über Sehenswürdigkeiten gesprochen. Kommen wir zu unserer Expertise und Lieblinsgeschäftigung. Essen!

Hawker Chan

Was? Ihr kennt Hawker Chan nicht? Das kann ja nicht sein. Im Jahre 2009 eröffnete Chan Hong Meng seinen Stand im Hawker Center in Chinatown. Sieben Jahre später war er der erste Hawker-Stand-Besitzer, der mit seinem legendären Soya Chicken Rice mit einem Michelin Stern ausgezeichnet wurde. Seitdem ist der Andrang natürlich groß und der Stand wurde nicht nur zu einem Restaurant erweitert, mit einer langen Warteschlange davor, sondern „Hawker Chan“ eröffnet mittlerweile sogar eine Kette an weiteren Standorten in Asien. Wir fanden das Essen sehr lecker, aber der Trubel nimmt dem Erlebnis leider ein bisschen das Besondere.

Was ist das denn bitte?

Eiscreme + Rainbow-Toast = NOM NOM.
An vielen Stellen der Stadt findet man kleine Straßenstände, die diese Eiscreme, also nicht wirklich Creme, sondern Eisblocks (da sie eher die Konsistenz von Gouda am Stück haben) verkaufen. Man kann aus verschiedenen Sorten (Mango, Vanille, Durian(!), Schokolade) wählen und das Ganze wird dann in eine Scheibe Rainbow-Toast gelegt. 1 Dollar kostet dieser super leckere und verrückte Snack. Wir sind Fans!

Chomp Chomp Barbecue

Umgeben von Business- und Bürogebäude liegt dieses Hawker Center, das Nachts zu einem Barbecue-Traum wird. Ein Stand neben dem anderen verkauft leckere Satay-Spieße und die Hitze scheint niemanden zu stören.

Din Tai Fung

Seit Hongkong sind wir Din Tai Fung Anhänger. Und wenn es ein Restaurant an einem unserer Reiseziele gibt, dann kratzen wir jeden Dollar zusammen, um dort die leckeren Dim Sum essen zu können. In Singapur befindet sich das Restaurant in der Marina Bay Mall. Eine Einkaufspassage, in der man nicht nur shoppen kann, sondern in einem kleinem Fluss sogar seine Einkaufstüten im Boot durch die Gegend fahren kann. It’s a crazy world.

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