I fell in love with Kyoto

Unser nächstes Ziel brachte uns in die ehemalige Hauptstadt Japans: Kyoto. Eine bemerkenswerte Stadt prall gefüllt mit Tempeln, Schreinen, Touristen und wunderschönen Zen-Momenten.

Nach den letzten Tagen im Hotel bzw. der Privatunterkunft in Ainokura hatten wir für Kyoto wieder ein Airbnb Apartment gebucht. Es befand sich ganz in der Nähe des Fushimi Inari-Taisha Schreins, das für seine vielen zinnoberroten Toren (torii) bekannt ist, aber dazu später mehr.

Beim Betreten der Wohnung staunten wir nicht schlecht: wie klein kann eigentlich ein Wohnraum sein? Links von uns lagen Toilette und Nasszelle, eine winziger Flur führte zum Wohn-, Schlaf-, Ess- und Aufenthaltsbereich. Betten gab es keine sondern nur einen japanischen Futon (Ainokura lässt grüßen), den man nachts aus- und tagsüber wieder zusammenrollte, um überhaupt etwas Platz in dem winzigen Zimmer zu haben. Dagegen war unsere Wohnung in Tokio ein regelrechtes Raumwunder!

Tempel, Schreine und viele Touristen

Am ersten Morgen genossen wir es, endlich wieder unseren eigenen leckeren Kaffee kochen zu können. Ihr erinnert euch? Wir haben ja eine Aero-Press und eine Handmühle in unser kleines Gepäck gequetscht. Für uns die beste Entscheidung, denn ein guter Kaffee am Morgen lässt einen auch das kleine Apartment kurz vergessen.

Marc hatte uns für die nächsten Tage den ultimativen Tempel-Pfad rausgesucht, denn Kyoto ist vor allem für seine zahlreichen Tempel berühmt. Erster Halt: der Kiyomizu-dera.

Zusammen mit zahlreichen Schulklassen, Menschen in Kimonos und jede Menge Touristen liefen wir den mit kleinen Geschäften bestückten Weg hoch zum Eingang. Den Tempel zu besuchen kostete zwar Eintritt, lohnte sich aber sehr. Das alte Gebäude aus Holz mit seiner weiten Terrasse und den dicken Balken rief in uns ein wunderbares Gefühl hervor. Trotz all des Trubels, den Besuchern mit ihren Selfie-Sticks und Foto-Posen, empfanden wir eine starke Ruhe, als würde die antike Geschichte dieses Schreins alles andere in den Hintergrund drängen.


Um den Schrein herum gab es einen sehr gepflegten Garten mit weiteren kleinen Gebäuden und einem tollen Ausblick auf die Stadt. Während wir die schönen Tempel und Gartenanlagen bewunderten, wurden wir immer wieder schüchtern von Schülern in Uniformen beäugt. Schlussendlich trauten sich dann doch ein paar Schüler näherzukommen und uns mit Unterstützung ihrer Lehrerin anzusprechen. Sie interviewten uns zu unserer Reise in Japan, wie wir das Land fänden, was wir gegessen hätten und ob uns Japan gefallen würde. Sie waren so stolz, dass sie sich getraut hatten uns anzusprechen. Zum Schluss durfte ein Gruppenfoto natürlich nicht fehlen.

Auf dem Pfad der Philosophen

Zu Mittag suchten wir uns das besonders schön eingerichtete und vom Michelin-Sterne Koch Ryotei Kikunoi empfohlene Restaurant Okakita heraus, um uns mit leckeren Ramen-Nudeln zu stärken.


Im Anschluss ging es weiter in den Norden Kyotos. Entlang des Philospher’s Walk – ein mit Kirschbäumen gesäumter Kanal – bewunderten wir die Häuser dieses Stadtteils. Genau so hatten wir uns Japan beim Planen unserer Reise vorgestellt: Kirschbäume, zurückgenommene, schlichte Architektur und ein gepflegtes Stadtbild.

Den nächsten Halt machten wir im nahegelegene Tempel Honen-in, der von einem bildhübschen Garten (Byakusadan) umgeben ist. Der Garten war zudem wunderbar ruhig, mit kleinen Bächen und Wasserfällen, alten Bäumen und einer fast meditativen Atmosphäre. Hab ich schon erwähnt, wie schön das war?

Bevor die Sonne unterging, machten wir uns auf den Heimweg, aber nicht ohne den Tag mit einem Glässchen Sake zu beenden. Wir suchten uns dafür ein Sake-Geschäft heraus und schafften es, trotz Kommunikationshindernissen (der Verkäufer sprach kein Wort Englisch) den richtigen Sake (Junmai) zu erstehen.

Bamboo Garden und noch mehr wunderschöne Gärten

Bei unserem Besuch in Kyoto durfte natürlich der berühmte Bambuswald nicht fehlen. Dieser aus meterhohen Bambusbäumen bestehende Wald befindet sich etwas außerhalb von Kyoto. Doch bereits in der Bahn dorthin zeichnete sich ab, dass wohl auch hier viel los sein würde. Wieder begleiteten uns so mancher Selfie-Stick und viele Touristen, während wir in der Mittagshitze zum Wald pilgerten. Ruhe oder Bedachtsamkeit konnte sich daher nur bedingt einstellen, nichtsdestotrotz war der Ort sehr beeindruckend.

In dem Wald befinden sich einige weitere Tempel und Sehenswürdigkeiten von denen wir uns zunächst den Tenryuji Tempel raussuchten. Der Tempel liegt in der Mitte eines vom Designer Muso Soseki gestalteten Gartens. Ein kleiner See und viele unterschiedliche einheimische Pflanzenarten verstärken die Wirkung des beeindruckenden Tempels. Man findet darin einen großen mit Strohmatten ausgelegten Ruheraum, den man selbstredend nur ohne Schuhe betreten darf, und einen Laubengang der zum hinteren Bereich des Tempels führt.


Nach dem Besuch des Tempels stand die Okochi Sanso Villa auf dem Plan. Denjirō Ōkōchi, der in den 1920ern für seine Stummfilme berühmt wurde, baute über einen Zeitraum von 30 Jahren daran. Das Ergebnis ist ein über 20.000 Quadratmeter großer Park mit Teehäusern, aus Holz gefertigten Rückzugsorten und einem Garten mit verwinkelten Wegen, kleinen Bächen und atemberaubenden Aussichtspunkten auf Kyoto und die Berge rund um die Stadt. Glücklicherweise war dieser Ort bei den anderen Touristen weniger beliebt und so konnten wir fast ungestört auf den schmalen Wegen wandern und die schöne Atmosphäre aufnehmen.

Im Anschluss fuhren wir mit der Bimmelbahn wieder zurück in das Stadtzentrum. Ich wollte mir unbedingt noch den Fischmarkt in Kyoto anschauen. In meiner Vorstellung sind diese Märkte immer voller frischer Köstlichkeiten und fröhlicher Menschen, die zusammen essen, trinken und lachen. Die Wirklichkeit schaut oft anders aus: überfüllte Gänge, drängelnde Menschen, viele unterschiedliche Gerüche und Ungewissheit, ob und was man kaufen sollte. So ähnlich erging es uns auch in Kyoto, sodass wir den Fischmarkt mit leeren Händen und vor allem knurrenden Mägen wieder verließen. Naja, ein Sandwich und ein Bier aus dem Supermarkt, die wir uns auf einer Mauer sitzend einverleibten, halfen dann ein wenig weiter. Wir sind eben richtige Nomaden!

Das Kyoter Nachtleben

Abends wollten wir dann mal sehen, was Kyoto so an Nachtleben zu bieten hat. Nach einigem Hin und Her entschieden wir uns für eine kleine Sake-Bar in der Nähe des Fischmarktes. Diese war gut besucht, weshalb wir zusammen mit einigen anderen Gästen an einen längeren Tisch gestellt wurden. Man könnte Sake-Bars in gewisser Weise als das östliche Pendant zu Tapas-Bars bezeichnen. Dort bestellt man Sake (hier Gläserweise), kleine Gerichte dazu und das in regelmäßigen Abständen.

Zu unserem Erstaunen waren wir die einzigen westlichen Touristen in der Bar. Dank einer englischen und bebilderten Karte waren wir in der Lage Speisen auszuwählen (gedämpfter Fisch, sauer eingelegtes Gemüse, gegrillte Makrele) und die Beschreibung der Sakes, eingeteilt in eine Matrix abhängig vom jeweiligen Geschmack, half bei der Wahl des richtigen Getränkes.

Etwas später kam ein älteres Pärchen an den Tisch dazu. Die sehr nette Frau fragte uns, was wir hier in Japan vorhätten. Wir berichteten von unserer Reiseroute, die mit vielen Ohs und Ahs kommentiert wurde und erfuhren, dass die beiden schon seit über 30 Jahren verheiratet sind (das Augenrollen bei der Zahl haben wir nicht übersehen). Ein wenig später betraten weitere „Westler“ das Lokal: ein junger Mann mit seiner Mutter. Sie gesellten sich an unseren Tisch dazu und wir beobachteten neidisch, dass der junge Mann gut japanisch sprach. Schnell kam er mit den übrigen Tischnachbarn ins Gespräch und so verstummte unser etwas stockendes Gespräch abrupt und der Fokus verlagerte sich an das andere Ende des Tisches. Wir konnten es verstehen, wünschten uns allerdings, auch mehr Japanisch sprechen zu können. Für die nächste Reise üben wir dann ein bisschen mehr.

Leicht angeheitert zogen wir im Anschluss weiter Richtung Stadtmitte. Entlang des Kamogawa Flusses befindet sich das Ausgehviertel in Kyoto. Hier reihen sich Bars, Restaurants und Geschäfte aneinander. Die Straßen sind gefüllt mit Menschen, Gelächter und so manchem Straßenmusiker. Wir flanierten ein wenig durch die schmalen Gassen und suchten schließlich eine etwas versteckte Bar auf, in der sich Gaming-Interessierte trafen. Spielekonsolen, Game Boys und Figuren aus Computerspielen standen auf den Tischen und Tresen und man konnte Gästen beim Zocken zuschauen. Im hinteren Bereich war ein DJ-Pult aufgebaut, das Publikum war international gemischt und es herrschte eine entspannte Stimmung. Wir kamen mit einem netten Engländer ins Gespräch, der bereits 10 Jahre in Kyoto lebt und dort Familie hat. Japanisch spräche er nicht, hoffe aber, dass seine kleine Tochter ihn trotzdem verstehe. Er teilte mit uns die merkwürdige Aufregung über Erdbeben und Tsunamis („It’s strangely exiting“) und wir freuten uns, mehr Austausch mit „Einheimischen“ zu bekommen.

Zum Abschluss des Abends zogen wir noch in eine Bar in der Nähe des Geisha-Viertels weiter. Die Bar wird von einem Franzosen geführt zusammen mit anderen Barkeepern, die ebenfalls aus dem  europäischen Ausland stammen. Nachdem Marc auf Nachfrage des französischen Barkeepers seinen Whiskey Sour kritisierte (er wollte es wissen!), verdunkelte sich die Stimmung kurzfristig. Kritik ist halt nicht jedermanns Sache. Aber beim nächsten Cocktail (der freiwillig ausgetauscht wurde) war dieser Moment schon wieder vergessen.

Mittlerweile war es schon spät geworden, U-Bahnen fuhren keine mehr und so entschieden wir, nach diesem langen Tag, mit dem Taxi zurück in unseren Schuhkarton zu fahren.

Die Nachwehen des Kyoter Nachtlebens

Das Wetter hätte schon besser sein können.
Das Wetter hätte schon besser sein können.

Nach unserer durchzechten Nacht, mussten wir am nächsten Tag erst einmal lange ausschlafen. Das Wetter lud auch nicht gerade ein aktiv zu werden (Regen, Gewitter, Regen), sodass wir unseren Kater auskurieren konnten. Dazu gab es etwas zu Essen, das wir uns aus der gut sortierten Fressmeile unterhalb des Kyoter Bahnhofs holten und japanische Sendungen im Fernsehen (ein Papierfliegerweitflugwettbewerb auf hohem Niveau). Nicht jeder Tag kann (oder muss) spannend sein…

Reisetag

Für unseren letzten Tag hatten wir uns den Besuch im Fushimi Inari-Taisha aufgehoben, da er sich in direkter Nähe zu unserem Apartment und somit auf dem Weg zum Bahnhof befand. Ganz nach Murphy’s Law regnete es natürlich an unserem Reisetag, aber den Schrein wollten wir uns trotzdem nicht entgehen lassen. Zudem hatten wir noch Zeit totzuschlagen bis Nachmittags unser Zug fuhr. Daher hieß es, nicht lange rumjammern, Regenschutz und Regenjacken raus und los.


Nachdem wir die großen Rucksäcke an der U-Bahn-Station eingesperrt hatten, schlossen wir uns den Touristenströmen an und liefen zum Schrein hoch. Wie schon erwähnt, ist dieser für seine tausende von zinnoberroten Tore bekannt, die sich entlang des 3-stündigen Wanderweges hinauf zum Inari Berg, zwischen den Tempeln befinden. Die Tore werden von Personen oder Unternehmen gespendet, deren Namen dann auf dem Tor zu sehen sind. Aufgrund des wunderbaren Wetters, entschieden wir uns allerdings nur bis zur Hälfte zu gehen. Wir beobachteten Japaner, wie sie Glücksbringer kauften, den Schrein mit Gaben und Gebeten huldigten und lernten so mehr über die Shinto-Religion.

Zum Abschied gabs noch japanisches Curry.
Zum Abschied gabs noch japanisches Curry.

Zurück an der U-Bahn, hievten wir unsere Rücksäcke wieder auf unsere Schulten und machten uns auf den Weg zum Zug. Eine kleine Stärkung gab’s noch, bevor wir den langen Weg nach Hiroshima antraten: Japanisches Curry. Es besteht aus einem Stück paniertem Fleisch (Tonkatsu), Currysauce und Reis. Klingt komisch, schmeckt aber super.

 

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