Ainokura: japanische Tradition erleben

Nach zwei Tagen in Takayama hieß es gleich wieder Taschen packen und weiter. Mit dem Bus ging es einige Kilometer weiter zum UNESCO Weltkulturerbe der gassho-zukuri Häuser.

Gassho-zukuri sind über 100 Jahre alte Häuser mit Reet gedeckten Spitzdächern. Diese Häuser kann man noch in den Dörfern Shirakawa-go und Gokayama (Ainokura and Suganuma) finden.
Da in diesen Dörfern mitten im Gebirge viel Schnee fällt, wurden diese Dächer entsprechend konzipiert um diesen auch aushalten zu können.

Als Tourist ist man eigentlich sehr schnell mit der Besichtigung der kleinen Dörfer fertig, da es sich um winzige Orte mit nur wenigen Häuser handelt. Allerdings gibt es die Möglichkeit genau eine Nacht in einem solchen traditionellen gassho-zukuri Haus zu übernachten.
Das wollte ich unbedingt machen und buchte deshalb ein Zimmer in dem kleineren Dorf Ainokura.

Ein Dorf wie aus dem Bilderbuch

Nach einem kurzen Abstecher in Shirakawa-go kamen wir am frühen Nachmittag in Ainokura an. Die nette Besitzerin des Ryokans (ein traditionelles japanisches Hotel) begrüßte uns an der Tür und servierte anschließend erst einmal grünen Tee und Kekse.

Freundlich aber bestimmt, wurde uns ans Herz gelegt jetzt spazieren zu gehen, da es um 18 Uhr Abendessen gäbe. Diesem Vorschlag leisteten wir Folge, zogen unsere Regenjacken an und trotz Regen machten wir uns auf zur Erkundungstour.

Ainokura besteht aus einer Hauptstraße, an der sich neben den gassho-zukuri Häuser noch ein paar andere Häuser und kleinere Shops für die Touristen befinden. Am Eingang der Straße parken die Touri-Busse und es gibt einen Weg zu einer Aussichtsplattform. Am anderen Ende des Dorfes kann man einen etwas wilderen Weg in die Berglandschaft finden, um den Ausblick auf das Dorf genießen zu können. Glaube ich zumindest, denn bei uns hat es ja wie gesagt geregnet und nach unserem Aufstieg sahen wir nur dicke Wolken träge in den Bergen hängen.

Traditionell japanisches Abendessen

Nach diesem großen Ausflug, kamen wir zurück in die Unterkunft und sahen, dass ein weiteres japanisches Paar angekommen war, um die Nacht in dem antiken Haus zu verbringen. Unsere Gastgeberin war schon dabei, das Abendessen vorzubereiten. Dazu gehörte der über offenem Feuer gebratene Fisch, der an der Feuerstelle mitten im Haus gegrillt wurde.

Zum Essen kniet man traditionell auf Kissen am Boden. Sollte das aus alters- oder gesundheitsgründen nicht mehr so gut klappen, darf Mann sich (bequem1) in den Schneidersitz begeben. Frau hingegen ist dies nicht gestattet. Sie darf nur sittsam in den seitlichen Damensitz rutschen (was auf Dauer genauso unbequem wird).

Unser Abendessen war typisch japanisch, zusammengesetzt aus vielen kleinen Gerichten, die auf einem Tablett mit viel Liebe und Sorgfalt angerichtet wurden. Diese leckeren Dinge wurden für uns an diesem Abend gezaubert:

  • Gegrillter, gesalzener Fisch (s. oben)
  • Miso-Suppe
  • Tempura
  • Sashimi
  • sauer eingelegtes Gemüse
  • Tofu und Gemüse in einer kalten Suppe
  • Reis
  • Wassermelone

Dazu gab es gekühlten Sake, Wasser und selbstverständlich grünen Tee.

20 Uhr Abends – und jetzt?

Nach dem Abendessen kam die Frage auf: „Was tun wir jetzt?“, es war ja erst kurz nach 20 Uhr.
In Ainokura selbst war natürlich schon alles dunkel und menschenleer. Das ältere japanische Paar, das das zweite Zimmer in der Unterkunft gemietet hatte, zog sich nach dem Essen zurück und man hörte schon nach kurzer Zeit Schnarchen aus dem Nebenraum.

Nach den aufregenden Tagen in Tokio fiel es uns ein bisschen schwer, einfach nur zu sein und nichts zu tun zu haben (nicht einmal ein Onsen!). Aber das bot uns auch zum ersten Mal die Gelegenheit zu lesen und den Abend in aller Ruhe ausklingen zu lassen. Übrigens schliefen wir in der Nacht natürlich auf traditionellen japanischen Betten, Futons genannt. Diese bestehen aus einer Schlafunterlage/Matratze shiki-buton und einer Bettdecke kake-buton. Die Matratzen werden auf die sogenannten Tatami-Matten (Matten aus Reisstroh) auf den Fußboden gelegt. Tagsüber werden die Futons zusammengelegt. Das Bett war dann in der Nacht auch sauhart.

Packen und wieder weiter

Am nächsten Morgen gab es japanisches Frühstück mit Reis, Gemüse und Fisch (nicht unbedingt unser Geschmack). Danach liefen wir noch ein bisschen in dem Dorf umher, bevor wir zu Mittag in den Bus stiegen der uns zum Bahnhof nach Toyama brachte. Denn die nächste Stadt wartete bereits auf uns: Kyoto.

1 Kommentar

  1. Batul auf sauhartem Futon, das hätte ich gerne gesehen. Hätte mich sicher tot gelacht. Danke für die schönen Beiträge. Mama

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