Beppu

Meiner Meinung nach kann man in Beppu genau drei Dinge tun: in einen der vielen heißen Onsen baden, die 8 Höllen (jikogu) besuchen und über heißen Quellen gedämpftes Essen probieren. Die Onsen haben wir ausgelassen, aber für die anderen zwei Erlebnisse lohnte sich der Kurzaufenthalt in dieser kleinen Stadt sehr.

Die Stadt Beppu liegt auf der japanischen Insel Kyūshū und hat gerade mal 125.000 Einwohner, dafür aber über 3.700 Thermalquellen. Marc hatte bei der Weltreise-Recherche ein Sendung von Sarah Wiener in Asien gefunden, bei der sie Beppu besucht. Die Aufnahmen hatten ihn so fasziniert, dass wir dieses Ziel zu unserem Reiseplan hinzufügten.

Für unsere zwei Tage hatte ich uns zum ersten Mal kein Airbnb-Apartment sondern ein Hostel gebucht. Das Gebäude selbst war ein bisschen in die Jahre gekommen, aber alles in allem ganz in Ordnung. Unser mit japanischen Strohmatten ausgelegtes Zimmer war erstaunlich groß und etwas karg eingerichtet. Es befanden sich lediglich ein Fernseher und zwei Futons (yay!) darin. Toilette und Bad mussten wir uns mit den übrigen Gästen teilen.

Nichts los hier

Nachdem wir eingecheckt hatten liefen wir noch ein wenig durch die Straßen der kleinen Stadt. Es war Feiertag, was in Beppu anscheinend dazu führte, dass alle bei ihren Familien zuhause saßen. Denn auf den Straßen herrschte tote Hose und die meisten Geschäfte und Restaurants waren geschlossen. Da es nichts zu tun oder zu sehen gab und es die ganze Zeit regnete, kauften wir noch kurz im Supermarkt ein und verbrachten den restlichen Abend mit japanischen Fernsehshows in unserem Hostel.

Kannawa

Am nächsten Morgen hatte sich der Regen verzogen und die Sonne versprach, dass es ein heißer Tag werden würde. Nach dem Aufstehen trödelten wir ein bisschen zu lange herum, sodass es bereits Mittag war, bis wir endlich aus dem Hostel kamen. Wir wollten die berühmten Höllen (jikogu) von Beppu sehen, die sich im Stadtteil Kannawa ein paar Kilometer weiter weg befinden. Man hätte einen Bus dahin nehmen oder sich sogar Fahrräder leihen können, aber wir – ihr kennt uns ja bereits – legten die Strecke natürlich in der Mittagshitze zu Fuß zurück.
Der Weg führte zunächst am Meer entlang, wo man auch ein paar Strandabschnitte finden konnte. Hier verfestigte sich unser Eindruck von Beppu von unserem Spaziergang am Tag zuvor: irgendwie war alles ein bisschen heruntergekommen und verlassen. Veraltete, unbewohnte Häuser und Hotels reihten sich entlang der Promenade. Außerdem lag überall viel Müll herum, was für Japan total ungewöhnlich ist.

Man merkt relativ schnell, dass man in Kannawa angelangt ist, denn es dampft und zischt hier an jeder Ecke. Heiße, nach faulen Eiern riechende Luft steigt aus den Kanälen auf und die Temperatur erhöht sich abrupt um einige Grad. Spätestens jetzt erkannten wir, dass mit dem Bus zu fahren wohl auch eine gute Alternative gewesen wäre, denn es war wirklich sehr heiß.

Schwitzend liefen wir die Hügel hoch zum Zentrum des Stadtteils, wo sich das Restaurant Jigoku Mushi Kobo befand. Restaurant trifft es vielleicht nicht ganz, man könnte es eher Kochstelle nennen. Hier kann man nämlich sein Essen über heißem Dampf aus einer natürlichen Quelle zubereiten lassen. Man bringt entweder seine eigenen Zutaten mit oder kauft sich welche vor Ort.
Wir entschieden uns für ein paar (Onsen-)Eier, gemischtes Gemüse, Reis mit Schweinebauch und ein paar Würstchen. An einem Automaten kauften wir uns Essensmarken für unsere Auswahl, die wir beim Eingang abgaben und dafür eine Wartenummer erhielten.
Die 45 Minuten bis wir endlich aufgerufen wurden, verbrachten wir an der heißen Quelle direkt neben dem Restaurant, in der man gratis ein Fußbad oder ein Dampfbad für die Beine nehmen konnte. Für so einen heißen Tag war das etwas zu viel für mich und ich hielt es nur ein paar Minuten in dem heißen Wasser aus.

Endlich wurde unsere Nummer aufgerufen und wir bekamen unser noch rohes Essen ausgehändigt. Vor dem Restaurant befanden sich die Kochstellen. Freiwillige Helfer zeigten hier den Gästen wie man die Sicherheitshandschuhe anlegte, das Essen in den heißen Dampf beförderte und wie lange man für welches Essen warten musste.

Unsere Gerichte hatten unterschiedliche Garzeiten. Als erstes waren die Eier fertig, dann der Reis und die Würstchen und zum Schluss holten wir noch das Gemüse aus dem Dampf. Natürlich jedes Mal unter Aufsicht des geschulten Personals. Geschmacklich war es nicht unbedingt außergewöhnlich, aber das Zubereiten hat viel Spaß gemacht.

8 Mal durch die Hölle

Neben hunderten heißen Quellen befinden sich in Beppu die acht jigoku. Diese Quellen erreichen eine Temperatur zwischen 50 und 99.5°C – also nicht für ein entspanntes Onsen-Bad geeignet. Jede Hölle hat sein eigenes Merkmal (blaues Wasser, rotes Wasser, Schlamm, usw.) und man kann sie alle einzeln besichtigen. Für den Eintritt besorgten wir uns einen Heftchen mit 8 Eintrittskarten. Da die meisten Höllen nicht weit voneinander entfernt lagen, gingen wir davon aus, dass man das alles locker zu Fuß ablaufen könnte. Leider war es schon relativ spät bis wir mit unserer Tour starteten und so wir mussten uns beeilen, denn um 17 Uhr war Ladenschluss.

Dank guten Zeitmanagements von Marc („Los, los, wir müssen weiter“) schafften wir es doch noch, alle 8 Höllen zu sehen und sogar den Ausbruch des Geisirs, der nur alle 20-30 Minuten passiert, zu erleben.

Abends liefen wir die Strecke nach Beppu einfach wieder zu Fuß zurück, denn jetzt war es auch schon irgendwie egal. Beide hatten wir uns ordentlich den Nacken und das Gesicht von der Sonne verbrannt – wer dachte schon, dass es so heiß werden würde? Auf dem Heimweg fanden wir noch einen einigermaßen gut sortierten Supermarkt und kauften uns noch ein paar Kleinigkeiten für das Abendessen. Dann hieß es auch schon wieder packen und auf zu unserer letzten Station in Japan.

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